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Achtsamkeit als Selbstresonanz

Nach der Einführung in das allgemeine Konzept der Achtsamkeit in den letzten Wochen werden Sie sich ab dieser Woche dem eigentlichen Thema nähern, weshalb Sie sich vermutlich zum Verfolgen des Blogs entschieden haben – nämlich um zu erfahren, auf welche Weise Sie für sich selbst eine gesundheitsfördernde Achtsamkeitspraxis etablieren können.

Wenn sich eine Person eine neue Strategie aneignen oder eine bestehende weiter ausdifferenzieren will, so tut sie dies in Regel aus einem bestimmten Grund, d. h. die neue Strategie soll einen Zweck erfüllen, den bisherige Umgangsweisen nicht oder nicht ausreichend erfüllt haben. Im Alltag – und vor allem auch im beruflichen Alltag von Menschen in helfenden Tätigkeiten – ist unsere Aufmerksamkeit häufig auf das Erkennen der Bedürfnisse anderer Personen – z. B. der Hilfesuchenden – ausgerichtet. Um für sich entscheiden zu können, an welchen Stellen eine Erneuerung oder Erweiterung von Strategien erforderlich ist, braucht es Aufmerksamkeit jedoch auch für die eigenen Gefühle und Bedürfnisse. Und zwar eine Art der Aufmerksamkeit, die am ehesten mit „Gespür“ in die Umgangssprache zu übersetzen ist – ein Gespür, wie es sich aus bindungstheoretischer Sicht z. B. in längerfristigen, engen zwischenmenschlichen Beziehungen entwickelt. Wir „tunen“ uns aufeinander ein – ähnlich wie eine Mutter sich vor allem in der präverbalen Phase auf ihr Kind „eintunt“. Im der psychologischen Umgangssprache nennen wir es auch „Mitschwingen“ oder fachsprachlich „Resonanz“.

Um die Praxis der Achtsamkeit in den eigenen, beruflichen und privaten Alltag auf gesundheitsfördernde Weise zu integrieren, braucht es also auch diese Art Resonanz mit uns selbst. Und gleichzeitig wird diese durch die Anwendung der Achtsamkeit gefördert – ich verbessere meine Bindung zu mir selbst.


Ü
bung
Nehmen Sie für diese Übung wieder eine entspannte, aber auch aufrechte Körperhaltung ein. Wenn es für Sie angenehm ist, schließen Sie die Augen.
Wenden Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen. Nehmen Sie, so gut es für Sie möglich ist, die innere "Haltung" ein, alles bewusst wahrzunehmen und akzeptierend zu spüren, was auch immer in Ihrem Bewusstseinstrom auftaucht.
Dieses können Köperempfindungen sein - angenehme, unangenehme oder auch neutrale. Genauso wie bestimmte Emotionen, Gedanken, Bilder, Vorstellungen, Bedürfnisse und Handlungsimpulse.
Lassen Sie Ihre Aufmerksamkeit einige Zeit sanft auf dem ruhen, was sich in Ihrem Bewusstseinsfeld der fortlaufenden Erfahrung zeigt. Beobachten und benennen Sie. Versuchen Sie insbesondere unangenehmen Empfindungen (z.B. Schuldgefühle oder Insuffiezienzerleben) zugewandt-„mitfühlend“ und achtsam-akzeptierend zu begegnen. Sie können dieses durch innere Selbstverbalisationen wie z.B. "Es ist ok so wie es ist" oder "Ich genüge" unterstützen.
Nehmen Sie sich für diese Übung ausreichend Zeit.


Welche Strategien nutzen Sie in Ihrem Alltag, um die Aufmerksamkeit wieder auf die eigenen Bedürfnisse und Gefühle zu lenken?

Kommentare:

21-06-12 16:10
Nina B.
In meiner Wochenplanung habe ich eine Kategie zum Thema "Ich selbst". Dazu gehören für mich jeden Tag ein paar Minuten, in denen ich mir meine aktuellen Bedürfnisse und Gefühle bewusst mache, um ihnen dann im Laufe des Tages Raum geben zu können. Klingt trivial, ist es aber nicht. Ich merke, dass ich so immer wieder ganz kleine Elemente in den Tag einbauen kann, die nur für mich da sind.

Außerdem achte ich jede Woche darauf, eine Stunde nur ganz für mich allein zu haben. In dieser Zeit tue ich etwas, das nur für den Moment gilt und keine weitere Bedeutung hat. Das kann ein Bad nehmen, puzzlen, ein Spaziergang oder eine angeleitete Meditation sein.

Weil mir das Thema Achtsamkeit und Selbstfürsorge ein sehr wichtiges ist, mache ich mich selbst mit dem Angebot www.mailtothefuture.de immer wieder selbst darauf aufmerksam und ermutige mich selbst, noch am gleichen Tag, an dem ich die Mail lese, eine kleine Sache zu tun, die zu diesem Thema passt. So verliere ich das Thema nicht aus dem Blick.

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