Quo Vadis, Psychologie?

Interview mit Michael Krämer

Veränderungen in der Ausbildung von Psychologinnen und Psychologen, ein sich wandelndes Arbeitsfeld und ein sich verschärfender Wettbewerb mit anderen Berufsgruppen sollen am 21. November in Berlin unter Mitgliedern und engagierten ehrenamtlichen Funktionären diskutiert werden. Prof. Michael Krämer gibt Auskunft über die inhaltlichen Schwerpunkte des Programms.

Was hat Sie bewogen, das Thema zu wählen?
Ein Tag der Psychologie soll aktuelle Themen aufgreifen, die für unsere Mitglieder und die Öffentlichkeit relevant sind. Er bietet die Möglichkeit, sich zu informieren und sich im Workshop aktiv einzubringen. Eine lebendige Diskussion zu den Veränderungen im Berufsfeld ist das Ziel. Daher fragt der Titel, wohin der Weg die Profession führen wird, ohne sich anzumaßen, eine abschließende Antwort geben zu können. Veränderungen in der Ausbildung und im Arbeitsmarkt werden regelmäßig ambivalent erlebt. Im Rückblick auf das bisher Etablierte liegt die Gefahr, Vergangenes zu positiv zu sehen. Der Ausblick beinhaltet Unsicherheiten, welche Ziele erreicht werden können. Für den BDP als Interessenvertreter der Psychologinnen und Psychologen ist es wichtig, unsere Mitglieder nicht nur über die Veränderungen auf dem Laufenden zu halten, sondern auch Chancen der Mitwirkung und Mitgestaltung zu geben.

Nach der Bachelor-/Masterreform drängen anders qualifizierte Absolventen auf den Arbeitsmarkt, welche brennenden Fragen wirft diese Tatsache auf?
Der Bachelor- und der Masterabschluss im Fach Psychologie sind mittlerweile zum Standard geworden. Befragungen geben darüber Auskunft, dass die große Mehrheit der Absolventen den höher qualifizierenden Master im Fach Psychologie anstreben, um den Anforderungen in der psychologischen Berufspraxis gewachsen zu sein. Die veränderten Abschlüsse haben auch zur Folge, dass das Berufsbild der psychologischen Profession aktualisiert werden muss. Hierzu werden im Workshop-Teil des Tags der Psychologie erste Ergebnisse berichtet werden. Was kann ein Bachelor in Psychologie auf dem Arbeitsmarkt erreichen? Welche Relevanz haben Kombinationsstudiengänge wie zum Beispiel Wirtschaftspsychologie? Welche Veränderungen in der Ausbildung zum
Psychologischen Psychotherapeuten stehen an?

Ein vieldiskutiertes Stichwort: Direktausbildung. Welche Aspekte sind bei der weitere Qualifizierung zum Psychologischen Psychotherapeuten relevant?
In diesem Jahr rückt die anstehende Novellierung des Psychotherapeutengesetzes in den Fokus. Die unterschiedlichen Interessenverbände positionieren sich. Die Delegiertenkonferenz des BDP hat im Mai Eckpunkte verabschiedet, die auf den Erhalt eines breit angelegten Psychologiestudiums mit anschließender Weiterqualifizierung zum Psychologischen Psychotherapeuten abzielen.

Werden sich das Berufsbild und die Arbeitsfelder von Psychologen ändern?
Selbstverständlich – mit und ohne unser Zutun. Die zum Tag der Psychologie gewählten Schwerpunkte greifen einige der anstehenden Veränderungen auf. Der psychotherapeutische Sektor wurde schon genannt. Das Berufsfeld Gesundheit reicht aber noch weit über den psychotherapeutischen Bereich hinaus. Im Bereich der Prävention sollten wir anderen, zum Teil deutlich geringer Qualifizierten, nicht das Feld überlassen. In der Notfallversorgung ist die Professionalisierung im Gange, aber noch nicht abgeschlossen. In der Rehabilitation wird die psychische Komponente stärker anerkannt, aber in den Angeboten noch nicht ausreichend berücksichtigt. Der wirtschaftspsychologische Arbeitsbereich ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gewachsen. Gesetzliche Veränderungen zum Beispiel zur betrieblichen Gesundheitsförderung
weiten das Arbeitsfeld aus, ohne den Einbezug gut qualifizierter Psychologen ausreichend zu fördern. Durch auf die betrieblichen Bedürfnisse zugeschnittene Angebote und kontinuierliche Überzeugungsarbeit kann dem begegnet werden. Der Tag der Psychologie greift dieses Thema auf.

Worin liegen Ihrer Meinung nach die Herausforderungen für Psychologen in der Zukunft?
Unser Berufsstand findet Anerkennung in der Öffentlichkeit. Er sollte über die Zuordnung zum klassischen gesundheitsbezogenen Arbeitsfeld noch besser mit seinen vielfältigen anderen Facetten der beruflichen Tätigkeit
wahrgenommen werden. Durch die belegbare Qualität unserer Arbeit vor dem Hintergrund einer berufsethischen Fundierung sollte es jetzt und in Zukunft möglich sein, sich in der großen Vielfalt anderer, mit uns
im Wettbewerb stehender Professionen erfolgreich zu behaupten.

www.psychologenkongress.de

Die Fragen stellte Alenka Tschischka.

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