Psychotherapie bei Psychosen

Die Psychotherapie der Psychosen ist in allen Krankheitsstadien möglich und wirkungsvoll. Das für die Behandlung notwendige Störungs- und Veränderungswissen ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und hat manualisierte Behandlungsleitfäden hervorgebracht. Die Vorbehalte gegen eine Psychotherapie psychotischer Störungen basieren weitestgehend auf Fehlannahmen, die heute als widerlegt gelten. Angewandt auf dem Boden einer störungsspezifisch ausgerichteten Gestaltung von Behandlungssetting und therapeutischer Beziehung, können psychotische Störungen psychotherapeutisch genauso behandelt werden wie andere psychische Erkrankungen auch. Wesentliche Bestandteile der Behandlung sind Geduld, Offenheit und Flexibilität des Therapeuten sowie eine starke Individualisierung des Vorgehens, entsprechend dem äußerst heterogenen Krankheitsbild, darüber hinaus qualifizierte Supervision und Intervision sowie – falls möglich – der Einbezug von Angehörigen.

Einleitung

Psychotische Erkrankungen sind in der Regel schwere Störungen mit massiven Beeinträchtigungen des sozialen und Rollenfunktionsniveaus sowie der persönlichen Lebensqualität. Die S2-Behandlungsleitlinie für Psychosen sieht bereits seit Jahren ein Gesamtbehandlungskonzept vor, in dem Psychotherapie in jedem Krankheitsstadium eine Rolle spielt. Im Oktober 2014 zog auch der Gemeinsame Bundesausschuss nach und passte die Psychotherapierichtlinie der gesetzlichen Krankenversicherung dem aktuellen Forschungsstand an. Seit 2015 kann nun jede psychotische Störung über alle Krankheitsstadien hinweg ambulant psychotherapeutisch behandelt werden. Um den Bedarf zu decken, benötigen wir im Bereich Psychose gut ausgebildete Kollegen.

Mythos Psychose

Trotz der Verankerung in den Leitlinien und nun auch in der Psychotherapierichtlinie »trauen« Psychotherapeuten sich oftmals noch nicht an das Störungsbild Psychose heran. Zurückzuführen ist diese Unsicherheit auf kollektive dysfunktionale Annahmen über Psychosen im Allgemeinen und ihre Behandelbarkeit im Besonderen. Dies gilt in besonderem Maße für schizophrene Psychosen wie die Schizophrenie, durchaus aber auch für affektive Psychosen wie die bipolare Störung. Verbreitet ist nach wie vor die Annahme, schizophrene Psychosen könnten ausschließlich medikamentös behandelt werden, Betroffene gelten als schwierig oder sogar als gefährlich. Die Folge dieser Überzeugungen ist, dass die Suche nach einem Psychotherapeuten für Betroffene äußerst langwierig ist, was den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen kann.

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Dr. Julia Arnhold, Psychotherapeutin und Dozentin an Aus- und Weiterbildungsinstituten. Ihre Arbeitsschwerpunkte: Psychosen, Persönlichkeits- und stressbedingte Störungen.

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