Diversität in der Gesellschaft als Chance oder Herausforderung?

Unsere Gesellschaft ist vielfältig. Männer und Frauen, Junge und Alte sowie Menschen mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, politischen Einstellungen und Persönlichkeiten haben teil und gestalten unser gesellschaftliches Zusammenleben. Mit dieser Vielfältigkeit umzugehen, ist jedoch nicht immer einfach. Während Deutschland schon seit Ende des Zweiten Weltkrieges Einwanderungsraten hat, die in manchen Jahren (prozentual auf die Gesamtbevölkerung gerechnet) sogar diejenige Kanadas – einem der klassischen Einwanderungsländer schlechthin – überstiegen (siehe Zick, Wagner, van Dick & Petzel, 2001), offenbart die Pegida-Bewegung die massiven Schwierigkeiten im Umgang mit dieser Herausforderung. Anstatt mit der Bevölkerung in einen Dialog zu treten und Aufklärungsarbeit zu leisten, ignoriert und instrumentalisiert die »offizielle« Politik diese Themen nach wie vor häufig. So wurden erst im März 2015 einmal wieder Vorschläge für ein Einwanderungsgesetz abgelehnt. Aber auch in anderen Bereichen tun wir uns durchaus oft schwer, mit Vielfältigkeit umzugehen. So zeigt zum Beispiel die aktuelle Debatte um die Frauenquote für Aufsichtsräte, die der Bundestag ebenfalls im März beschlossen hat, dass es nach wie vor große Ungleichheit zwischen Männern und Frauen gibt, was die Repräsentanz in Führungspositionen oder das Gehalt angeht. In dieser Analyse sind sich alle ziemlich einig, aber wie damit umzugehen ist, also bei den Lösungen, herrscht Uneinigkeit.

Alle gleich?

Geschlecht und ethnische Herkunft sind nur zwei Facetten von Diversität, und man könnte beliebig viele andere Merkmale heranziehen. Nun gibt es zwei Argumentationslinien, warum wir Vielfalt zulassen sollten. Zum einen kann man einfach den moralisch-ethischen Grundsatz vertreten, dass alle Menschen die gleichen Rechte und Chancen haben sollten. In Deutschland ist die Gleichheit im Grundgesetz festgeschrieben und findet in vielen konkreten Gesetzen und deren Ausführungsbestimmungen Anwendung, wie zum Beispiel im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Die zweite Argumentationslinie besagt, dass wir Vielfalt brauchen, weil wir als Gesellschaft oder auch in Unternehmen davon profitieren. Hier wird z.B. gerne angeführt, dass wir Zuwanderung brauchen, um dem zunehmenden Fachkräftemangel begegnen zu können, oder dass mehr Frauen in Führungspositionen gut für die Wirtschaft sind. Beide Argumentationslinien sind berechtigt. Über die erste Argumentationslinie brauchen wir nicht zu diskutieren. In einem Land, das aus der Tradition der Aufklärung kommt und sich den universellen Menschenrechten verpflichtet hat, sollte Gleichheit die Grundlage unseres Zusammenlebens sein, auch wenn sie leider häufig verletzt wird.

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Prof. Dr. Rolf van Dick, Dr. Sebastian Stegmann, Dr. Alina S. Hernandez Bark und Dipl.-Psych. Anna Lisa Aydin von der Goethe-Universität Frankfurt.

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