Wer, wenn nicht wir?

 BDP-Workshop in Frankfurt/Main

 verständigt sich über Projekte zur Verbesserung der Situation von Psychologiestudierenden Der Workshop, zu dem die Sektionen Aus-, Fort- und Weiterbildung (AFW) und Angestellte und beamtete Psychologen (ABP) Vertreter der BV Studierende, des DK-Vorstands und den Fachreferenten des Verbands nach Frankfurt/ Main eingeladen hatten, hatte sich zum Ziel gesetzt, für Bachelor- Studierende und -Absolventen Angebote des BDP zu entwickeln, sie über Ausbildungs- und Berufsperspektiven zu informieren und ihnen im BDP eine Heimat zu geben. Behandelt wurden folgende Aspekte:

  • Situation von Studierenden und Absolventen im Studium und beim Berufseinstieg
  •  Einrichtung eines Forums im Internet, in dem Informationen vermittelt und Erfahrungen ausgetauscht werden können
  •  Öffentlichkeitsarbeit in Form von Vorträgen und Tagungen zum BSc

Zur Situation im Studium
 Umfragen und Gespräche ergeben, dass Studierende in Bachelor-Studiengängen mit dem Hauptfach Psychologie (BScPsych) im Prinzip die gleichen Probleme benennen, die aus dem Diplom-Studiengang bekannt sind: Studieninhalte bzw. -schwerpunkte, Studienbedingungen und Maßstäbe der Bewertung von Studienleistungen unterscheiden sich von Studienort zu Studienort. Genauere Informationen darüber sind schwer zu bekommen und wären überdies wegen fehlender Freiheitsgrade bei der Studienortswahl (n.c.) kaum verwertbar. Für den BScPsych potenzieren sich diese Probleme: Die Konkurrenz um eine insgesamt zu geringe Zahl von Studienplätzen entsteht nicht nur beim ersten Einstieg in einen Psychologie- Studiengang, sondern auch für die Weiterqualifizierung zum Master of Science (MSc), ggf. ein drittes Mal für die Aufnahme in einen Weiterbildungsstudiengang Psychotherapie. Die Angebote an Studienplätzen für MScPsych und die Aufnahmekriterien dafür sind noch unübersichtlicher als für BScPsych; für den Zugang zu einer Psychotherapieausbildung gilt Ähnliches. Erschwerend kommt hinzu, dass es außer der von der DGPs empfohlenen Zeitstruktur (sechs Semester BSc plus vier Semester MSc) an einigen Unis (insbesondere in Baden-Württemberg) das Modell acht Semester BSc plus zwei Semester MSc gibt. Zusätzlichen Konkurrenzdruck verursacht die Fern-Uni Hagen, die eine große Zahl von BScPsych ausbildet, aber kein Studienangebot für MScPsych bereitstellt.
 Im Vergleich mit den Studierenden in Diplom-Studiengängen zeigen sich BscPsych-Studierende deshalb in stärkerem Maße verunsichert, ob sie ihr gewünschtes Studienziel erreichen können, und berichten über eine Verschlechterung des Studienklimas (Konkurrenz statt Kooperation). Hinzu kommt die in allen Fächern beklagte Erhöhung des Zeitund Leistungsdrucks bei gleichzeitigem Verlust von Freiheitsgraden bei der Studiengestaltung (z.B. Auslandssemester, Praktika).

Zu den Berufsaussichten
 Der BSc wird vom Gesetzgeber zwar als berufsqualifizierend definiert, konkrete Berufsbilder fehlen jedoch noch weitgehend. Der BDP hat Vorschläge erarbeitet, bei Arbeitgebern sind BScPsych – soweit sie überhaupt bekannt sind – aber noch nicht in Stellenplänen verankert. Versuche, berufstätige BScPsych ausfindig zu machen und zum Workshop einzuladen, führten nicht zum Erfolg. Die wenigen, die gefunden wurden, berichteten von sehr unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedingungen ihrer Tätigkeit. Alles deutet darauf hin, dass ein sehr hoher Anteil an BScPsych eine Weiterqualifizierung zum MSc anstrebt. Das gilt vor allem für diejenigen, die das Studium direkt nach dem Abitur aufgenommen haben. Etwas anders könnte sich die Situation für BScPsych darstellen, die bereits eine Berufsausbildung oder einen Studienabschluss in einem anderen Fach haben.
 Für die im Bachelor/Master-Modell angelegte Möglichkeit, ein Master- Studium erst nach einigen Jahren Berufserfahrung und/oder berufsbegleitend zu absolvieren, fehlt es bisher an Angeboten und Vorbildern. Weiter kompliziert wird die Situation auf dem Arbeitsmarkt durch eine zunehmende Zahl von Kombinationsstudiengängen mit unterschiedlich hohem Psychologie-Anteil sowie durch nicht konsekutive interdisziplinäre Master-Programme. Zur Verunsicherung trägt auch der EU-Qualifikationsrahmen bei. Die Position des BDP, eine fünfjährige Ausbildung mit einem Mindestanteil an Psychologie im Curriculum zur Voraussetzung für eine Anerkennung als Psychologe zu machen, ist als Maßnahme zur Qualitätssicherung und zum Schutz vor schlechter ausgebildeter Konkurrenz aus anderen Ländern generell akzeptiert. Im Einzelfall sehen BScPsych ihre Einstufung als (noch) Nichtpsychologen aber als Härte oder sogar Diskriminierung an.

Projekte zur Verbesserung der Lage
 Es besteht Übereinstimmung, dass der BDP zu einer Verbesserung der objektiven Situation von BScPsych nur langfristig und in Kooperation mit anderen Verbänden (insbesondere DGPs) und Institutionen beitragen kann. Dies betrifft das Studium (hinreichendes Platzangebot, die Angleichung von Studienbedingungen, die Erleichterung von Ortsund Programmwechseln, aber auch gezielte Angebote zur Weiterqualifikation/ Brückenkurse) und den Arbeitsmarkt. Kurzfristig sollen zunächst Angebote erarbeitet werden, die zu einer besseren Information und Vernetzung von BScPsych beitragen und damit zur Verbesserung ihrer Kompetenzen zur Bewältigung der Situation. Dazu sind vorgesehen:

  •  Projekt »Informationen bündeln, Diskussionsforum schaffen« Die bisher an verschiedenen Stellen vom BDP bereitgestellten Informationen sollen zu einem Reader gebündelt werden, und FAQs zusammengestellt und fortlaufend aktualisiert werden. Geprüft wird die Möglichkeit der Einrichtung eines Chatrooms.
    Federführend ist der Referent für Fachpolitik, Fredi Lang; unterstützt wird er von Dr. Gislinde Bovet (AFW), Elisabeth Götzinger (ABP) und der BV Studierende.
  •  Projekt »Berufserfahrungen von BScPsych sammeln und auswerten« Mit den bisher ausfindig gemachten berufstätigen BScPsych sollen strukturierte Interviews geführt werden (berufliche Biografie, soziales Umfeld, Motivation für den Berufseintritt). Zusätzlich sollen fortgeschrittene BScPsych-Studierende zu ihren Perspektiven befragt werden. Gislinde Bovet, Stefan Dutke und Gerhardt Bachmann (AFW) arbeiten daran.
  •  Projekt »Organisation von Vorträgen/ Tagungen«
    Aufgaben: Erstellen einer Präsentation, Gewinnung von Referenten, Organisation von Vorträgen. Dabei sollen Gesamtverband, Sektionen und Studierende eng zusammenarbeiten, die Veranstaltungen evaluieren und die Unterlagen regelmäßig fortschreiben. Federführend ist Ulrike Hess (DK-Vorstand); die BV Studierende und die Bundesgeschäftsstelle wirken mit.

 Die Teilnehmer des Workshops hoffen auf eine Beteiligung möglichst vieler BDP-Mitglieder an diesen Vorhaben. Die Teilnehmer des Workshops appellieren an die Mitglieder, Bachelor-Studierenden und -Absolventen, den Weg in eine erfolgreiche berufliche Zukunft als Psychologen zu ebnen und damit auch die Zukunft des BDP zu sichern. Die genannten Ansprechpartner freuen sich auf Vorschläge und Angebote zur Kooperation.

 Inge Lindner, Sektion AFW

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