Editorial

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

das Thema »Bachelor Sc., Psychologie« ist im BDP zu einem Dauerbrenner geworden – kein Wunder angesichts der Unwägbarkeiten, die sich mit diesem Abschluss verbinden. Für viele Studierende ist unklar, welche Einsatzmöglichkeiten der Arbeitsmarkt für Bachelors überhaupt bietet. Auch deshalb streben die meisten den Master-Abschluss an, der in etwa dem Diplom entspricht. Aber die Hochschulen bieten nur eine begrenzte Zahl von Master-Studienplätzen an, viele halten sich noch bedeckt und verkünden auf ihren Internetseiten lediglich, dass in den nächsten Jahren Master-Studienplätze eingerichtet werden. Ein Studium war immer ein persönliches Wagnis – das gilt heute mehr denn je. BDP-Vizepräsident Michael Krämer befasst sich in der Rubrik »Fokus« mit der Situation der Bachelors und erläutert, wie der BDP sie unterstützen kann und das zu einem guten Teil durch den Vorstand, den Fachreferenten und Sektionen wie AFW und ABP auch bereits tut. Wenig konstruktiv ist es, ihnen bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorzuhalten, dass sie mit ihrem Abschluss keine vollwertigen Psychologinnen oder Psychologen sind und sich so auch nicht nennen dürfen, denn diese Botschaft haben sie längst vernommen und akzeptiert. Beachtenswert finde ich, dass es mittlerweile Universitäten gibt – z.B. Tübingen, Konstanz und Marburg –, die ein vierjähriges statt ein dreijähriges Bachelor-Studium anbieten. Die bisherigen Vorgaben sind schließlich keine Gesetze und lassen Gestaltungsfreiheit. Vier Jahre Grundstudium sind allemal eine bessere Voraussetzung für eine entsprechende Berufstätigkeit. Auf das vierjährige Bachelor-Studium soll ein einjähriges Master-Studium folgen. Diese Lösung halte ich für erfolgversprechend.

Das vorliegende Heft ist das letzte in diesem Jahr. Wir haben 2011 erstmals wieder mehr Mitglieder gewonnen als verloren, und unter den Neuzugängen sind viele Studierende. Die sollten wissen, dass sich der BDP aus den Beiträgen seiner Mitglieder finanziert und seine Aktivitäten nur entfalten kann, weil viele Kolleginnen und Kollegen über Jahrzehnte den vollen Mitgliedsbeitrag zahlen und ehrenamtliche Funktionärinnen und Funktionäre viel Zeit und Energien in die Verbandsarbeit investieren. Das entspringt einer Haltung der Solidarität der nachwachsenden Generation gegenüber. Wir wünschen uns von den Studierenden, dass sie auch dann Mitglieder bleiben, wenn sie mit dem Studium fertig und als Berufstätige in der Lage sind, ebenfalls den höheren Beitrag zu zahlen. Wer Solidarität erwartet und erfährt, sollte sich selbst auch solidarisch verhalten.

 

Ihre Gislinde Bovet

Vorsitzende der Sektion Aus-, Fort- und Weiterbildung

 

 

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