Diagnostik zwischen Inkompetenz und Scharlatanerie: Phänomen, Ursachen, Perspektiven

Nimmt man das Erscheinen des Binet-Simon-Tests im Jahre 1905 als Ausgangpunkt der wissenschaftlichen Entwicklung psychodiagnostischer Verfahren, so beschäftigt sich die Psychologie inzwischen seit mehr als 100 Jahren mit diesem Themenkomplex. In ihren Bemühungen ist sie überaus erfolgreich gewesen. In kaum einem zweiten Anwendungsfeld der Psychologie gibt es so klare Erkenntnisse darüber, wie man in der Praxis vorgehen sollte, welche Wege sich im Laufe der Geschichte als Sackgasse erwiesen haben und welche Methoden schlichtweg absurd sind. Dies gilt sowohl für Instrumente, die jeweils spezifisch auf einen Anwendungsfall zugeschnitten werden – wie etwa Einstellungsinterviews oder Assessment-Center –, als auch für standardisierte Testverfahren, die inzwischen hundertfach zur Verfügung stehen. Trotz dieser erfreulichen Entwicklung trifft man insbesondere in der Personalarbeit immer wieder auf Praktiken, die jenseits dessen liegen, was wissenschaftlich sinnvoll ist. Im Folgenden wird zunächst ein Überblick über derartige Methoden gegeben, ehe wir in einem zweiten Schritt der Frage nach den Gründen für die beschriebenen Missstände nachgehen. Hieraus ergibt sich eine abschließende Diskussion möglicher Gegenmaßnahmen. Im Fokus steht jeweils der Einsatz diagnostischer Verfahren im Personalbereich, insbesondere der Personalauswahl.

Uwe Peter Kanning

 

Report Psychologie März 2012 bestellen

Zurück