Was bringen standardisierte psychologisch-diagnostische Verfahren vor dem Erstgespräch?

Was bringen standardisierte psychologisch-diagnostische Verfahren vor dem Erstgespräch?

Ohne Diagnostik gibt es keine professionelle Psychotherapie (Scheib & Wirsching, 1994). Deissler (1986, S. 85) verlangt: »Man interveniert erst, wenn man sicheren Boden unter den Füßen hat.« Die Diagnostik stellt immer den ersten Schritt in einem Therapieprozess dar, und so werden Psychotherapeuten1 in ihrer Ausbildung einerseits geschult, einen guten diagnostischen Blick zu entwickeln und andererseits strukturierte Verfahren (siehe etwa Schneider & Margraf, 2011, zu strukturierten Interviews) unterstützend einzusetzen.
Über den tatsächlichen Wert des Einsatzes psychologisch- diagnostischer Testverfahren für die tägliche Arbeit sowie die Akzeptanz bei den Klienten scheint aber trotz umfangreicher Literatur zur psychologischen Diagnostik (etwa Kubinger, 2009; Kubinger & Jäger, 2003) und ihrer Anwendung im Rahmen der Psychotherapie (Kubinger, 2006; Laireiter, 2005; Cierpka, 2003; Cierpka, 2000; Fiegl & Reznicek, 2000; Laireiter, 2000a, b) unter praktisch tätigen Psychotherapeuten noch immer Unsicherheit zu bestehen. Das mitunter schwierige Verhältnis von psychologischer Diagnostik und Psychotherapie wird in wenigen Sätzen sehr anschaulich von Adornetto und Schneider (2009) dargestellt.

Anna Pittermann, Klaus D. Kubinger

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