Inklusion - Integration - Partizipation

Am 23. November 2012 findet im Haus der Psychologie in Berlin unter dem Motto »Inklusion – Integration – Partizipation« der Tag der Psychologie statt. Dahinter steht die Frage, was die Psychologie zu einer humanen Gesellschaft aktuell beiträgt und noch zusteuern kann. Es wird zunächst drei Impulsreferate geben, bevor sich anschließend in sechs parallel laufenden Workshops die Chance zur Diskussion bietet. Gleich,
welches der drei Themen beleuchtet wird, immer steht die Frage nach Erfahrungen in der Praxis dahinter und wie psychologische Erkenntnisse noch stärker genutzt werden können.
Für die Impulsreferate konnten Prof. Jens Förster, Uni Amsterdam, Prof. Wolfgang Frindte, Universität Jena, und Prof. Siegfried Preiser, Psychologische Hochschule Berlin (PHB), gewonnen werden. Die Moderatoren der Workshops kommen aus unterschiedlichen Sektionen
und Landesgruppen. Die Federführung für die Organisation hat BDP-Vizepräsident Prof. Michael Krämer übernommen. »report psychologie« sprach mit ihm.

Wieso wurde »Inklusion – Integration – Partizipation« als Motto des Tages der Psychologie gewählt? Warum sollten sich Psychologinnen und Psychologen mit diesen Themen beschäftigen?
Alle drei Themen sind gesellschaftlich höchst brisant und werden je nach Anlass weitgehend getrennt voneinander abgehandelt. Die Bedeutung der Psychologie mag zwar erkannt werden, aber in der öffentlichen Diskussion
sind Fachpsychologinnen und Fachpsychologen kaum präsent. Inklusion wird primär im pädagogischen Feld verortet. Insbesondere die Umsetzung der UN-Konvention zu Rechten behinderter Menschen von 2006 wird kontrovers diskutiert. Integration rückt in den Vordergrund, wenn ausländerfeindliche Gewalt offenbar wird. Dann ertönt in den Medien regelmäßig der Ruf nach verschärfter Gesetzgebung. Partizipation als
Voraussetzung einer lebendigen Demokratie ist als Wahlbeteiligung erwünscht, wird aber als Störung der öffentlichen Ordnung angesehen, sobald unkonventionelle Formen der Bürgerbeteiligung praktiziert werden. Die Ausgangsthese des diesjährigen Tags der Psychologie ist, dass positive Veränderungen zu allen drei Themen mit psychologischer Unterstützung erreicht werden können. Basis dafür sind die Wertschätzung für andere Menschen, die Einfühlung in andere und die Bereitschaft, nicht nur das Verhalten anderer, sondern auch das eigene kritisch zu betrachten.

Was heißt das in der Praxis?
Folgende Beispiele seien kurz erwähnt: Schulpsychologen und Pädagogische Psychologen könnten Lehrer effektiver unterstützen, wenn die Stellenpläne und Strukturen dies zuließen. Inklusion kann nicht gelingen, wenn Sonderschulen aufgelöst und behinderte Kinder in der
Regelschule »untergebracht« werden, ohne auf das Individuum adäquat einzugehen. Sowohl eine valide Diagnostik als auch die passende psychologisch fundierte Förderung sind wichtige Voraussetzungen. Sozialpsychologen und Politische Psychologen kennen die Mechanismen
der Ausgrenzung. Sie kann behinderte Menschen genauso betreffen wie Personen, die sich z.B. durch ihr Aussehen und ihre kulturelle Abstammung
von der Mehrheit unterscheiden. Das Wissen über die Entstehung und den Umgang mit Vorurteilen sollte deutlich weiter verbreitet werden. Integration wird nicht gelingen, ohne die vorherrschende Kultur zu öffnen und zu modifizieren. Wenn das Postulat der politischen Beteiligung aller ernst genommen wird, resultieren daraus komplexe Abstimmungsprozesse. Demokratie ist weder einfach noch bequem. Psychologen kennen die Irritation vieler in mehrdeutigen Situationen, die Gefahren
populistischer Vereinnahmung und die Mechanismen der Konfliktbewältigung.

Profitieren Psychologen nicht sogar von den Folgen des falschen gesellschaftlichen Umgangs mit den Themen?
Verkürzt betrachtet könnte man dies annehmen. Therapeuten sollen richten, was andere verbockt haben. Nur überfordert dieser Weg unser Gesundheitssystem. Zu viele Personen sind betroffen, und präventives Handeln ist auf längere Sicht zielführender als kuratives.

Wie sollten sich Psychologinnen und Psychologen einbringen?
Den BDP zeichnet aus, dass er die Angewandte Psychologie vertritt. Der Tag der Psychologie kann einen Impuls geben. Wir konnten drei ausgewiesene Fachleute für die erste Orientierung zu den drei Themenbereichen
gewinnen. Somit besteht die Chance, etwas über den aktuellen fachwissenschaftlichen Stand zur Inklusion, Integration und Partizipation zu erfahren und anschließend im Kreise anderer PraktikerInnen Erfahrungen
auszutauschen. Die Moderatoren der Workshops werden dazu beitragen, dass Ideen zur besseren psychologischen Einflussnahme entwickelt werden. Wenn wir in eine konstruktive Diskussion einsteigen, bin ich überzeugt, dass wir die Relevanz der Psychologie für Inklusion, Integration und Partizipation herausarbeiten werden und alle Beteiligten wertvolle Anregungen für den beruflichen Alltag mitnehmen können.

Mehr Informationen und Anmeldung:
www.psychologenkongress.de

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