Glücksspielsucht

Zur aktuellen Forschungs- und Versorgungslage

Obwohl die Glücksspielsucht neben der Trunk- und Morphinsucht zu den ältesten Suchterkrankungen überhaupt gehört, hat das öffentliche Interesse an diesem Störungsbild erst in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Der expandierende Glücksspielmarkt, neue Zugangswege (via Internet) und größere Spielanreize auf der einen Seite, die damit assoziierten Suchtgefahren und eine steigende Versorgungsnachfrage von pathologischen Spielern auf der anderen Seite verdeutlichen das dem Glücksspielwesen inhärente Konfliktpotenzial. Grundsätzlich gilt zwar, dass die Mehrheit aller Spielteilnehmer einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Glücksspiel pflegt. Dem gegenüber steht jedoch eine keineswegs unbedeutende Minderheit, die sich »verzockt« und mitunter ihre gesamte Existenz aufs Spiel setzt. Allgemein gesprochen bezieht sich das Störungsbild der Glücksspielsucht auf die exzessiv-destruktive Teilnahme am Glücksspiel. Im Vordergrund der Symptomatik stehen Phänomene wie ein subjektiv erlebter Verlust der Handlungskontrolle, eine sich im Krankheitsverlauf zunehmend verstärkende Bindung an das Glücksspiel und das Weiterspielen trotz zum Teil gravierender psychosozialer beziehungsweise finanzieller Folgeschäden. Diagnostische Merkmale wie Toleranzentwicklung, Abstinenzunfähigkeit, entzugsähnliche Erscheinungen oder das Chasing-Verhalten (Versuche des Verlustausgleichs) sind charakteristisch für pathologische Spieler und erinnern an die Phänomenologie stoffgebundener Suchterkrankungen. Nicht zuletzt deswegen wird die Glücksspielsucht als Prototyp einer Verhaltenssucht
angesehen.
In der Regel setzt die Entwicklung und Manifestation glücksspielbezogener Belastungen einen mehrjährigen Krankheitsverlauf voraus. Aufgrund des Ausbleibens von offensichtlichen und eindeutigen Krankheitsanzeichen, wie zum Beispiel einer Alkoholfahne oder Nadeleinstichen, lässt sich die Glücksspielsucht als »hidden addiction«, das heißt verborgene Sucht, bezeichnen. Dieser Umstand leistet Verheimlichungstendenzen Vorschub, sodass es vielen Betroffenen gelingt, ihr Suchtverhalten über einen längeren Zeitraum zu verbergen und eine Art Doppelleben zu führen. Darüber hinaus verhindert eine fehlende Krankheitseinsicht beziehungsweise Veränderungsmotivation den (frühen) Weg in das professionelle Hilfesystem. Als entsprechend mannigfaltig erweisen sich die Begleiterscheinungen und Auswirkungen einer Glücksspielsucht, die nicht nur die finanzielle Ebene betreffen (u.a. Ver- bzw. Überschuldung, Privatinsolvenz), sondern auch emotionale Belastungen, suchtimmanente Persönlichkeitsveränderungen, Konflikte am Arbeitsplatz, Beschaffungsdelinquenz (u.a. Eigentumsdelikte, Veruntreuungen) und Suizidalität umfassen. Psychologisch von Relevanz ist in diesem Kontext, dass die Betroffenen im Zuge ihrer Spielerkarriere zum einen sukzessive den Bezug zum Geld verlieren. Zum anderen bedingt die immer wiederkehrende Hoffnung, durch erneute Spielteilnahmen die (finanziellen) Probleme schnellstmöglich lösen zu können, eine Intensivierung der Spielaktivitäten in Form eines Teufelskreises. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass das soziale Nahumfeld des pathologischen Spielers vielfältige Belastungen unterschiedlicher Art erfährt, die sich beispielsweise in einem hohen Stresserleben, psychosomatischen Beschwerden oder dysfunktionalen Bewältigungsversuchen äußern und nicht selten eigenständiger Hilfemaßnahmen bedürfen.

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