Entspannung mit Yoga

Interview mit Ilka Pundt

Ilka Pundt ist seit 1998 Mitglied im BDP, zunächst in der Sektion Klinische Psychologie. Seit 2006 ist sie auch Mitglied der dort angesiedelten »Fachgruppe Entspannungsverfahren«. Am Yoga beeindruckt sie am meisten die spürbare Verbindung körperlicher und geistiger Prozesse. Sie engagiert sich für eine Veränderung des »Zertifikats Entspannungsverfahren«. Für »report psychologie« sprach sie mit Alenka Tschischka.

Wie sind Sie mit Yoga in Berührung gekommen?
Meine ersten Yogaerfahrungen habe ich mit Anfang zwanzig gemacht, als ich anstelle eines Kurses zur Schwangerschaftsgymnastik einen Yogakurs besucht habe. Nach der Entbindung habe ich, statt Rückbildungsgymnastik zu machen, mit Hilfe eines Buches über Yoga nach der Schwangerschaft mit meinem kleinen Sohn weiter geübt. Nach meiner Therapieausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin hatte ich das Bedürfnis, mir bewusst etwas Gutes zu gönnen, auch gerne etwas Entspannenderes, Ruhigeres. Außerdem war es mir nach einem Bandscheibenvorfall wichtig, meine sportlichen Betätigungen diesem neuen Umstand anzupassen.

Warum haben Sie eine Ausbildung zur Yogalehrerin gemacht?
Ich habe schon früh angefangen zu meditieren und hatte auch ein wenig Yogaerfahrung, beides war aber gerade in dieser Zeit der hohen Beanspruchung etwas in den Hintergrund geraten. Als dann Dietmar Mitzinger in Neuss eine Yogalehrerausbildung speziell für Psychologen anbot, war für mich sehr schnell klar, dass das für mich der beste Weg ist, tiefer in das Thema einzusteigen und am Ball zu bleiben. Mir ging es also einerseits um Selbstfürsorge und Entspannung, andererseits um schonendes Rückentraining. Yoga hat in beiden Fällen seine Wirkung getan, allerdings auch noch weiter darüber hinaus. Eigentlich müsste man vor jedem Yogakurs ein Warnschild aufstellen: »Achtung! Was Sie hier tun, könnte Ihre Einstellung zum Leben verändern.« Zugegebenermaßen ist dafür mehr als ein Kurs erforderlich und natürlich auch die innere Bereitschaft dazu. Ähnlich wie in der Psychotherapie, wo sich die Wirkung ja auch nicht durch die regelmäßigen Besuche in der Praxis, sondern dadurch entfaltet, dass man sich auf den Prozess einlässt. Der Lohn könnte dann in mehr Gelassenheit, Bewusstheit, Selbstsicherheit, Mitgefühl oder einer entschleunigten Lebensweise bestehen.

Der Wissenschaftsjournalist der »New York Times«, William J. Broadt, hat 2012 in seinem Buch »Science of Yoga« die wissenschaftlichen Studien als »ausbaufähig« beschrieben, aber dennoch ausgewertet. Wo liegen denn die Chancen und die Risiken von Yoga aus Ihrer Sicht?
Ich schätze den Nutzen und die Möglichkeiten von Yoga für Körper, Seele und Geist sehr hoch ein. Gefahren sehe ich in erster Linie da, wo die Übungen falsch durchgeführt werden, weil sie schlecht oder gar nicht angeleitet werden. Broadt fasst in seinem Buch die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung zusammen und kommt ebenfalls zu dem Ergebnis, dass die förderlichen Effekte überwiegen. Inzwischen sind die positive Wirkung auf Herzkrankheiten, Bandscheibenschäden und Bluthochdruck sowie die Senkung hoher Cholesterinwerte und die Stärkung des Immunsystems sehr gut belegt. Auf psychischer Ebene lassen sich verbesserter Stressabbau, eine erhöhte Gelassenheit und Schmerzreduktion beobachten. Auch andere Autoren betonen, dass Yoga Lebenszufriedenheit, Offenheit und positive Stimmungen fördere, während Erregbarkeit und Aggressivität sinken. Nachweislich gibt es Erfolge bei der Depressions- und Angstbehandlung.

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