Gesundheit als Wettbewerbsvorteil

Interview mit Bettina Finger

Bettina Finger arbeitet bei den Generali Versicherungen als Personalreferentin seit rund 15 Jahren und als Gesundheitsmanagerin seit zirka acht Jahren. Auf dem 24. Kongress für Angewandte Psychologie am 21. und 22. November in Berlin hält sie einen Eröffnungsvortrag. Das Thema »strategisches Gesundheitsmanagement« wird sie aus der Sicht ihrer beruflichen Praxis vorstellen. Für »report psychologie« gibt sie vorab einen Einblick.

Stichwort »Best Practice«: Wie ist Ihr Unternehmen gegenüber seinen Wettbewerbern im Bereich Gesundheitsmanagement aufgestellt?
Wir haben das Thema schon sehr früh als Erfolgsfaktor gesehen, denn Gesundheit ist die Grundlage für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden während des gesamten Lebens und damit auch für den unternehmerischen Erfolg. Daher begreifen wir die Gesunderhaltung der Mitarbeiter als unternehmerische Aufgabe. Mit unserem Gesundheitsmanagement erkennen wir gesundheits- und gesellschaftspolitische sowie demografische Veränderungen und Herausforderungen und leiten geeignete Maßnahmen und Programme für unsere Mitarbeiter ab. Wir sprechen daher auch von einem strategischen Gesundheitsmanagement.

Welche Maßnahmen und Projekte sind das?
Wir bieten vielfältige Angebote zu Bewegung, Stressbewältigung und Ernährung an. Wir haben diverse Betriebssportgruppen, Gesundheitskurse sowie Kooperationen mit Kieser-Training und Sportvereinen. Wir verfügen über einen eigenen Gesundheitsbereich mit Massage- und Ruheräumen, veranstalten zweimal jährlich Aktionen wie Darm- oder Hautkrebsscreenings und bieten über unsere Betriebsärzte unterschiedliche Untersuchungen und Impfungen an. Ferner verfügen wir als zertifiziertes familienfreundliches Unternehmen über flexible Arbeitszeitmodelle, einen Betriebskindergarten und ein Eltern-Kind- Büro, in das man bei Notfällen das Kind mit an den Arbeitsplatz mitbringen kann. Darüber hinaus schauen wir uns regelmäßig an, ob bestimmte Arbeitsbedingungen und Belastungen auf Dauer krank machen können.

Welche spezifischen Gefährdungen gibt es im Bereich der Psyche bei einer Versicherung?
Massiv gestiegene Anforderungen der modernen Arbeitswelt führen zu einem kontinuierlichen Anstieg berufsbedingter psychischer Erkrankungen. Zur Ermittlung und Beurteilung dieser psychischen Belastungen führen wir im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung eine anonyme Befragung aller Mitarbeiter durch. Unser Fragebogen konzentriert sich dabei auf die Erfassung der Arbeitsbedingungen, die für die Entstehung psychischer Belastungen (z.B. Arbeitsaufgabe, Arbeitsorganisation, Arbeitszeit, soziale Beziehungen etc.) relevant sein können.

Was machen Sie, wenn Sie mit diesen extern ausgewerteten Fragebögen nun solche belastenden Arbeitsbedingungen entdecken?
Es werden zwei bis drei solcher Arbeitsbedingungen ausgewählt und in einem eintägigen Workshop vertiefend behandelt. Es werden konkrete Lösungsvorschläge zur Vermeidung beziehungsweise Verringerung der Belastungen entwickelt, und zwar von Mitarbeitern aus dem betroffenen Bereich selbst. Die Ergebnisse des Workshops werden dann mit der zuständigen Führungskraft erörtert und gegebenenfalls modifiziert. Das Gute daran ist, dass die Lösungen aus dem Bereich selbst kommen und ihm nicht von außen übergestülpt werden. Einige dieser Lösungen können sofort umgesetzt werden, andere brauchen einen längeren Vorlauf. Ich achte in meiner Funktion darauf, dass die erarbeiteten Maßnahmen auch umgesetzt werden.

Lesen Sie das gesamte Interview in der Oktober-Ausgabe

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