BDP-Bericht 2013

Für eine humane Gesellschaft

Auf einer Pressekonferenz im Haus der Psychologie in Berlin hat der BDP am 14. August seinen diesjährigen Bericht zum Themenkreis »Psychologie – Gesellschaft – Politik« der Öffentlichkeit vorgestellt. Unter dem Titel »Inklusion – Integration – Partizipation: Psychologische Beiträge für eine humane Gesellschaft« dokumentiert der Bericht die Fortsetzung der Arbeit des Verbandes an diesem gesellschaftspolitisch brisanten Themenfeld, die auf dem Psychologentag 2012 begonnen wurde. Fremdheit erzeuge Unsicherheit und – wenn sie als bedrohlich erlebt wird – Angst, erklärte BDP-Vizepräsident Prof. Dr. Michael Krämer vor der Presse. »Gesellschaftlich ist es erforderlich, eine Willkommenskultur bei jedem Individuum, aber auch strukturell im öffentlichen Bewusstsein und in gesellschaftlichen Einrichtungen zu etablieren.« Das gelte für viele Bereiche, betonte Krämer: Schule, Sport, Politik, Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und für das Miteinander von Älteren und Jüngeren. Voraussetzung dafür sei, Anderssein zu verstehen und zu akzeptieren. »Psychologinnen und Psychologen können aufgrund ihrer Kompetenz diesen Prozess unterstützen und voranbringen.« Die Bedeutung psychologischer Ansätze für das Gelingen von Inklusion, Integration und Partizipation hob auch Prof. Dr. Siegfried Preiser von der Psychologischen Hochschule Berlin hervor. Es gehe darum, »dass wir die positiven Auswirkungen der Teilhabe als Erfolge für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen sichtbar machen«, lautete sein Credo. Im BDP-Bericht heißt es dazu: »Die Änderung von Haltungen und Einstellungen in der Gesellschaft ist auch eine psychologische Aufgabe.« Nicht zuletzt müssten Psychologinnen und Psychologen sich einmischen und zum Beispiel auf die gleichberechtigte Teilhabe benachteiligter Kinder und Jugendlicher sowie den Zugang zum Bildungssystem drängen. Preiser berichtete von einem Forschungsprojekt in Frankfurt, bei dem Eltern mit Migrationshintergrund zu Elternabenden ein kostenloser Fahrdienst angeboten wurde. Auch damit ließen sich der Wert von Bildung verdeutlichen und Chancen für Kinder ermöglichen. Der Vorsitzende der BDP-Sektion Schulpsychologie, Stefan Drewes, nannte auf der Pressekonferenz die Umsetzung von Inklusion in Schulen als Voraussetzung für das Gelingen des gesellschaftlichen Einstellungswandels. Er warnte vor der Gefahr, dass mangels ausreichenden (finanziellen) Engagements und professioneller Durchführung keine wirkliche Integration zustande kommt und »zum Schluss die Beteiligten eher negative Erfahrungen als positive Erlebnisse mitnehmen«. Gegebenenfalls würden Vorurteile dadurch bestätigt statt abgebaut. Drewes: »Wenn die jetzige Schülergeneration mit den Zielen der Inklusion nicht erreicht wird, wird dies langfristige Auswirkungen auf die Gesellschaft von morgen haben.« Kazim Erdogan stellte sein Projekt »Väter und Männer im Gespräch« des Vereins »Aufbruch Neukölln« vor. Der Psychologe wurde bereits mehrfach für sein ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Dabei stehen vor allem die Kommunikation und gemeinsames Handeln im Vordergrund. Beispielsweise hätten Mitglieder seiner Männergruppe einen kirchlichen Kindergarten renoviert, erklärte er seine Vorgehensweise, um Vorurteile abzubauen.
Der BDP-Bericht 2013 umfasst 120 Seiten und steht auf der BDP-Webseite zum kostenfreien Download zur Verfügung. In der gedruckten Variante ist er beim Deutschen Psychologen Verlag für BDP-Mitglieder zum Sonderpreis von zehn Euro (statt 15 Euro) erhältlich.
www.bdp-verband.de/aktuell/2013/bericht
www.psychologenverlag.de


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