20. Familiengerichtstag in Brühl

Der Deutsche Familiengerichtstag (DFGT, 18. bis 21. September 2013), der wie immer in der Fachhochschule Bund in Brühl stattfand, ist ein wichtiges interdisziplinäres Forum für familiengerichtliche Diskussionen und Entwicklungen. Gerade in diesem Jahr bot er viele psychologische Fragestellungen. Unter den Teilnehmern befanden sich etwa ein Viertel Psychologen, zumeist Sachverständige, die hier regelmäßig explizit angesprochen und gefragt wurden. Nach Grußworten und Vorworten zahlreicher Vertreter (z.B. des Justizministers des Landes Nordrhein-Westfalen, Thomas Kutschaty) hielt bei der Eröffnung der stellvertretende Chefredakteur der »Süddeutschen Zeitung«, Heribert Prantl, einen spannenden Festvortrag über die Familie und deren Entwicklung mit dem Titel: »Familie ist kein Stillleben«. Von den Arbeitskreisen der darauffolgenden Tage waren für Psychologen diverse Themen interessant, zum Beispiel das »Wochenend- und Wechselmodell« im von Hildegund Sünderhauf geleiteten Arbeitskreis. Diese Veranstaltung beinhaltete lebhafte und von heftigen Kontroversen geprägte Diskussionen, sogar Proteste (geäußert durch das Verlassen der Veranstaltung). Im Arbeitskreis
über »Rechtliche, soziale und leibliche Eltern« ging es um die Besonderheiten, die sich daraus ergeben, dass leibliche Väter, die keine rechtlichen Väter sind, jetzt auch Umgangsanträge stellen können (Leitung Tobias Heims und Josef Salzgeber). Die Kindeswohldienlichkeit wurde von den Sachverständigen unterschiedlich reflektiert, zum Beispiel bezogen
auf die Rolle des rechtlichen beziehungsweise des sozialen Vaters, die Rolle der Mutter sowie das ernsthafte Interesse eines leiblichen Vaters. Später wurde ich von einer Journalistin des NDR um ein 20-minütiges Interview zur Bedeutung dieses Themas in der rechtspsychologischen Praxis gebeten, das zur Erstellung eines Features dienen soll. Mit dem Arbeitskreis »Umgang und Umgangsverweigerung« war ein für die Praxis der Rechtspsychologen zentrales Problem aufgegriffen, das uns immer stark beschäftigt. Erwartungen und Erfahrungen der verschiedenen hier teilnehmenden Professionen (Richter, Rechtsanwälte und Sachverständige sowie Verfahrensbeistände) mündeten in die Thesen des Arbeitskreises. Ein rechtsphilosophischer Vortrag von Kurt Seelmann stellte für uns Psychologen nach meinem Eindruck »zähen Stoff« dar. Sehr anregend war ein umfassender Vortrag von Ute Ziegenhain zum Thema »Risikoeinschätzung und Kindeswohlgefährdung«. Mit Blick auf meine eigenen Erfahrungen mit dem familiengerichtlichen Umgang zum Thema fand ich es wichtig, dass die bindungstheoretischen Hintergründe der Kindesentwicklung beleuchtet wurden, die in der Praxis nicht immer ausreichend Berücksichtigung erfahren. Weitere für psychologische Sachverständige interessante Themen boten die Arbeitskreise »Inobhutnahme und Sorgerechtsentzug« sowie »Internationale Sorgerechtskonflikte«.

Mareike Hoese

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