Psychoonkologie

Die neue S3-Leitlinie

Jährlich erkranken ungefähr eine halbe Million Menschen neu an Krebs. Diese Diagnose ist für die Betroffenen und ihre Angehörigen fast immer seelisch sehr belastend. Stationär und ambulant gibt in den onkologischen Spitzenzentren und zertifizierten Zentren Anforderungskriterien und Qualitätsmerkmale, die für die Patienten nicht nur eine optimale medizinische, sondern eine ganzheitliche Behandlung und Versorgung fordern, die auch die Psyche mit einschließt. Das Ziel eines ausreichenden Versorgungsangebotes ist noch nicht flächendeckend erreicht worden, in den vergangenen Jahren gab es hierbei aber bedeutsame Fortschritte. »Um den Tumor herum gibt es auch einen Menschen«, zitiert der Generalsekretär der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) Dr. Johannes Bruns aus der Eröffnungsrede des Kongresspräsidenten auf einer Pressekonferenz in Berlin. Auf dem alle zwei Jahre stattfindenden Krebskongress nahm das Thema »Psychoonkologie« viel Platz ein. Es war zudem hochaktuell, denn im Januar wurde die S3-Leitline federführend von der Arbeitsgemeinschaft Psychoonkologie der Deutschen Krebsgesellschaft veröffentlicht.

Versorgungsbedarf
Zu den Zahlen, in denen sich der Bedarf an psychoonkologischer Versorgung abbilden lässt, gibt es folgende Fakten: Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Patienten vor allem zu Beginn der Erkrankung psychisch stark belastet ist, ein Drittel leidet unter so starken Ängsten und Depressionen, dass man von einer psychischen Begleiterkrankung sprechen muss. Aber auch im weiteren Verlauf der Krebserkrankung, das heißt während der Rehabilitation und Nachsorge, brauchen viele Patienten professionelle psychoonkologische Unterstützung. Und auch Menschen, deren Erkrankung schon länger zurückliegt, erleben psychische Krisen, die sie allein nicht bewältigen können. Professionelle psychosoziale Unterstützung hilft nachweislich, die Krebserkrankung zu verarbeiten und psychische Probleme zu reduzieren. Dies zeigt auch die S3- Leitlinie »Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung erwachsener Krebspatienten«. Sie entstand auf der Basis von systematischen Literaturrecherchen in Zusammenarbeit von Experten aus insgesamt 51 wissenschaftlichen Fachgesellschaften unter der Federführung des Freiburgers Prof. Dr. Joachim Weis. Für den BDP war der Klinische Psychologe Thomas Müller-Staffelstein ehrenamtlich daran beteiligt. Der Nationale Krebsplan der Bundesrepublik Deutschland fordert, dass alle Krebspatienten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich erhalten sollen.

Screening gefordert
»Deshalb ist einer der Kernpunkte, dass der Bedarf der Patienten und ihrer Angehörigen an psychologischen Interventionen und an Psychotherapie zum Zeitpunkt der Diagnosestellung ›Krebs‹ mit erfasst werden sollte«, erklärt Prof. Dr. Susanne Singer, die als Psychologin und Epidemiologin an der Universitätsmedizin Mainz arbeitet, in ihrem leidenschaftlichen Statement für eine bessere Implementierung der Psychoonkologie. »Wir fordern ein Screening, das die Psyche von Anfang an als wichtigen Faktor misst. Zu dieser Erfassung sollen validierte und standardisierte Instrumente wie beispielsweise das ›Distress-Thermometer‹ oder die ›Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS)‹ eingesetzt werden und im Laufe der Erkrankung, insbesondere bei einer Verschlechterung, wiederholt angeboten werden.« Dahinter steht auch immer wieder die Frage, wie ein Patient, der belastet ist, entdeckt wird und so auch Hilfe angeboten bekommt. Eine auf dem Krebskongress vorgestellte Studie aus Heidelberg hatte beobachtet, dass an Krebs erkrankte Männer, die wenig über ihre Krankheit sprechen, mehr Hilfe bedürfen, als sie selbst wahrhaben wollen. Ihre Belastung wurde in der Befragung der durch die Erkrankung mitbelasteten Partnerinnen entdeckt.

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