Neue Professorin an der Psychologischen Hochschule Berlin

Interview mit Prof. Dr. Renate Volbert

Die Rechtspsychologin Prof. Dr. Renate Volbert übernimmt ab dem Sommersemester 2015 die Leitung des Masterstudiengangs Rechtspsychologie an der Psychologischen Hochschule Berlin (PHB). Sie konnte ihre praktische Erfahrung als Gerichtsgutachterin und ihre wissenschaftliche Kompetenz in der forensischen Psychiatrie auch in die Konzeption des Studiengangs einbringen.

Warum haben Sie sich für das Anwendungsgebiet Rechtspsychologie entschieden?
Mit rechtspsychologischen Fragestellungen habe ich mich schon während meines Studiums beschäftigt. Als ich Ende der 1970er-, Anfang der 1980er-Jahre in Bielefeld Psychologie studierte, lehrte die derzeitige Präsidentin der DGPs, Andrea Abele-Brehm, dort Sozialpsychologie. Bei ihr habe ich meine Diplomarbeit zum Thema »Soziale Urteilsbildung über Kriminalität von Frauen« geschrieben. Ich hatte aber zunächst nicht den Plan, mich in meiner Berufstätigkeit auf Rechtspsychologie zu spezialisieren, sondern sah mich ursprünglich eher im therapeutischen Bereich. Als Friedrich Lösel einen Ruf an die Universität Bielefeld annahm, suchte er eine wissenschaftliche Hilfskraft, und ich wurde für diese Stelle angefragt. Über die Arbeit bei ihm bin ich intensiver mit rechtspsychologischen Fragestellungen in Kontakt gekommen; damals habe ich mich vor allem mit der Effektivität von Straftäterbehandlung in sozialtherapeutischen Anstalten beschäftigt. Die endgültige Entscheidung für die Rechtspsychologie habe ich im Grunde gar nicht so bewusst getroffen – sondern erst als ich 1984 eine Stelle im Institut für Forensische Psychiatrie in Berlin angetreten habe.

Welche Bereiche der Rechtspsychologie gehören zu Ihren Forschungsschwerpunkten?
Am Institut für Forensische Psychiatrie habe ich mich zunächst mit Kriminalprognose und den Entstehungsbedingungen von Gewaltdelinquenz beschäftigt. Seit Ende der 1980er-Jahre liegt mein Schwerpunkt aber auf der Beurteilung der Glaubhaftigkeit von Aussagen und damit verbundenen
Fragestellungen, wie der Beeinflussbarkeit von Aussagen, des Zustandekommens von Pseudoerinnerungen oder des Entstehens von falschen Geständnissen. Diese Entwicklung hatte nicht zuletzt damit zu tun, dass Max Steller, der sich damals bereits intensiv mit der Glaubhaftigkeit von Aussagen beschäftigte, 1988 an das Institut kam. Mit ihm verbindet mich seitdem eine intensive Zusammenarbeit, die auch noch nach seiner Pensionierung im Jahr 2009 anhält. Nach wie vor finde ich, dass ich in einem ausgesprochen spannenden Bereich tätig bin. Es ist ein Gebiet, in dem man Wissen aus ganz unterschiedlichen psychologischen Grundlagenfächern anwenden muss. Es geht natürlich einerseits um Wahrnehmung und Erinnerung, aber auch in hohem Maße um Kommunikation und Beeinflussung. Außerdem sind entwicklungspsychologische und klinische Fragestellungen tangiert. Ich empfinde es als ein besonderes Privileg, dass ich meine universitäre Arbeit auch mit praktischer Tätigkeit verbinden kann und selbst als forensische Sachverständige tätig bin. Das gibt mir die Möglichkeit, Forschungsfragestellungen anwendungsbezogen zu formulieren und umgekehrt vorhandenes psychologisches Wissen auf diesen spezifischen Anwendungsbezug hin auszuwerten.

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