Mit Gesundheit in Führung gehen

Interview mit Dr. Anne Katrin Matyssek

Die Wirtschaftspsychologin Dr. Anne Katrin Matyssek entwickelte für die Führungskräfte unter dem Label »do care!« Seminare und Vorträge zum Themenfeld »Gesund führen«. Zahlreiche Bücher, Webseiten und auch ein YouTube-Channel verbreiten ihre auf Gesundheit Lust machenden Thesen. Für den Channel hat sie auch ein sechsblättriges Kleeblatt entwickelt, das sich zum Baum »auswachsen « und gesundheitsförderliche Äpfel tragen kann. Wertschätzung und Gesundheit in Unternehmen sind ihr wichtig, und dafür bemüht sie auch das Bild von der Sandwich-Führungskraft im Mittel- Management, die sich meist ohne reale Gestaltungsperspektive immer für den Krankenstand verantworten muss. Gesundheit muss gelebt werden, ist ihr Motto, und deshalb sprach sie auch gerne mit »report psychologie« über Führung und Unternehmenskultur.

Wie könnte (in einer idealen Welt) eine gesundheitsförderliche Kultur aussehen? Sind es große Dinge, die bei der Etablierung bewegt werden müssen?

Zur gesundheitsförderlichen Kultur gehört, dass die Arbeit nicht nur nicht schadet, sondern idealerweise auch die Persönlichkeit fördert. Dazu ist eine stärkere Berücksichtigung des seelischen Befindens nötig, und zwar auch durch Ansatzpunkte auf der Verhältnisebene. Während im Arbeitsschutz die Sicherheitskultur längst ein Begriff ist, ist die Idee des »psychosocial safety climate« von Prof. Maureen Dollard noch weitgehend unbekannt. Seit der Gesetzgeber die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen angeordnet hat, hält die Psyche zwar schon Einzug in die Betriebe, aber viele Menschen denken dabei sofort an »psychisch krank«. Hier besteht also noch großer Aufklärungsbedarf, um die Enttabuisierung dieses Themenkomplexes voranzubringen. Dazu nur ein Schlaglicht: »Gefährdungsbeurteilung?! Da kommt einer und guckt, ob ich bekloppt bin!«, sagte allen Ernstes ein Mitarbeiter, als die Gefährdungsbeurteilung in seinem Bereich angekündigt wurde. Neben der Gestaltung der Arbeitsbedingungen sind es häufig die kleinen Dinge, die über das Wohlbefinden im Betrieb entscheiden. Die Einführung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) kann ein entscheidender Schritt sein. Es wird aber nur dann seine gesundheitsförderliche Wirkung entfalten, wenn die Beschäftigten es als Ausdruck von Fürsorge und Wertschätzung verstehen, die sich ab und zu auch im Gesicht ihrer Führungskraft spiegelt – und generell auch in deren Handlungen.

Welchen Stellenwert haben Führungskräfte?

Führungskräfte sind der Dreh- und Angelpunkt der gesundheitsförderlichen Unternehmenskultur. Auch der Erfolg eines betrieblichen Gesundheitsmanagements steht und fällt mit ihrem Engagement. Sie beeinflussen die Arbeitsbedingungen (für Sandwich- Führungskräfte gilt dies nur eingeschränkt), aber sie sind auch selber eine: Sie können kränken oder auch Gesundheit fördern. Sie gestalten Prozesse und haben eine Vorbildfunktion, auch in Sachen Gesundheit. Wenn Führungskräfte im Umgang mit ihrem Team auch psychisches Wohlbefinden zum Thema machen, tragen sie zur Enttabuisierung des »Psycho-Komplexes« bei. Kurz gesagt: Sie können das BGM voranbringen – oder es sabotieren.

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Lesen Sie das gesamte Interview in der aktuellen Ausgabe von report psychologie.

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