Die Einheit der Psychologie erhalten

Das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) aus dem Jahr 1999 soll novelliert werden. Proteste des psychotherpeutischen Nachwuchses, auch aus den Reihen unseres Verbands, haben die Notwendigkeit deutlich gemacht. Nach der Bundestagswahl 2013 ist die Novellierung im Koalitionsvertrag angekündigt worden. Jedoch gehen die Meinungen auseinander, was die Neuformulierung beinhalten soll. Im Bundesministerium für Gesundheit wird aktuell ein Gesetzentwurf erarbeitet. Es besteht die Gefahr, dass aus einer positiven Absicht großer Schaden für die Abnehmer psychotherapeutischer Leistungen und für den psychologischen Berufsstand als Ganzes entsteht. Im folgenden Beitrag werden die Reformziele aufgezeigt, strittige Punkte verdeutlicht und ein Ausbildungsmodell skizziert, das mit vertretbarem Aufwand die notwendigen Verbesserungen ermöglicht und die Einheit der Psychologie erhält.

Ziele der Reform des Psychotherapeutengesetzes

Der BDP hat sich vor einem Vierteljahrhundert sehr intensiv für ein Psychotherapeutengesetz eingesetzt. Langjährige Mitglieder erinnern sich an die Diskussionen, Mahnwachen und Demonstrationen die notwendig waren, bis das Gesetz nach mehreren vergeblichen Anläufen verabschiedet wurde. Auf die Arbeitsteilung zwischen Bund und Ländern im föderalen System ist es zurückzuführen, dass im PsychThG von einer Ausbildung in Psychotherapie und einem eigenständigen Berufsabschluss gesprochen wird. Diese Differenzierung wurde in Kauf genommen, auch wenn den meisten Beteiligten klar war, dass psychologische Psychotherapie eines der Anwendungsfelder der Wissenschaft Psychologie ist. Eine »Ausbildung in Psychotechnik« ohne eine adäquate wissenschaftliche Grundlage war und ist nicht sinnvoll. Erreicht wurde in der Folge des Psychotherapeutengesetzes eine bessere Versorgung der Bevölkerung mit psychotherapeutischen Dienstleistungen, größere Autonomie bei der Berufsausübung und eine gesteigerte Anerkennung der Fachvertreter.

In Kauf genommen wurde ein Zuwachs an Bürokratie, eine länderspezifische, heterogene Zugangsregelung zur Psychotherapieausbildung sowie eine Angleichung an den in vielen Gesundheitsberufen herrschenden Missstand, dass die Ausbildung zu großen Teilen selbst finanziert werden muss.

Die zentralen Forderungen des BDP lauten:

  • Eine bundeseinheitliche Zugangsregelung zur Weiterqualifizierung zur Psychologischen Psychotherapeutin/ zum Psychologischen Psychotherapeuten
  • Eine angemessene Vergütung der nach dem Abschluss des Studiums in derWeiterbildungsphase erbrachten Leistungen


Entsprechende Beschlüsse hat die Delegiertenkonferenz des BDP mit großer Mehrheit unter Einbezug aller Untergliederungen in den Jahren 2014 gefasst und 2015 bekräftigt.

Strittige Punkte

In einer Anhörung des Bundesministeriums für Gesundheit im Februar 2015 wurde deutlich, dass ein Teil der anwesenden Fachvertreter einen eigenständigen psychotherapeutischen Studiengang befürwortet. Dieser soll mit einem Staatsexamen und der Approbation nach dem zehnten Fachsemester enden. Nach verkürzter Gymnasialzeit und eifrigem Punktesammeln an der Hochschule mit 23 Jahren approbierter Psychotherapeut?! Dieses Vorgehen ähnelt einer Quadratur des Kreises und hat gewisses Verführungspotenzial. Einige Protagonisten wollen zum Beispiel auf eine wissenschaftliche Abschlussarbeit im Studium verzichten. Die frühe Approbation soll dazu dienen – analog zur Medizin –, einen Anspruch auf Vergütung in der Weiterbildungsphase zu schaffen. Der Erwerb der Fachkunde, um selbstverantwortlich therapeutisch arbeiten zu können, steht dann aber noch aus.

[…]

Professor Dr. Michael Krämer

Lesen Sie das gesamte Interview in der aktuellen Ausgabe von report psychologie.

Report Psychologie September 2015 bestellen

Zurück