SQUIN, ein neuartiges, onlinebasiertes Gruppentraining zur Tabakentwöhnung

Aufbau, methodischer Hintergrund und Wirksamkeit

Zusammenfassung

Beschrieben wird eine neuartige Form eines onlinebasierten Gruppentrainings zur Tabakentwöhnung (»SQUIN«) mit Web-2.0-Elementen wie Chat, Pinnwand und Social Community. Wichtigen Schwachstellen herkömmlicher Vor-Ort-Entwöhnungsangebote wie hohe Rückfallquoten sowie klassische Nutzungsbarrieren herkömmlicher Angebote wie regionale Unterversorgung und eine geringe Inanspruchnahme – auch aufgrund von psychologischen Hemmnissen – wird hier mit neuen Ansätzen begegnet: Omnipräsenz, Anonymität, Gruppenkohäsion, Serious-Games-Elemente zur Motivationssteigerung, Rückfallpräventions- und Aufarbeitungsmodule, Notfall-Button, Achtsamkeitsübungen und eine langfristige Weiterbetreuung nach Ende der eigentlichen Entwöhnungsphase stellen einige dieser Angebote dar, die mittels Online-Anbindung orts- und zeitungebunden zur Verfügung stehen. Eine Pilotevaluation zeigt, dass diese neuartige Intervention von den Nutzern angenommen wurde und wirksam dazu beiträgt, Rauchverlangen und Entzugserscheinungen zu reduzieren. Die Abstinenzquote nach sechs Monaten erweist sich einerseits als deutlich höher als die der bisher verfügbaren deutschsprachigen Online-Angebote, andererseits als vergleichbar hoch wie die des momentan führenden Vor-Ort-Programms (das Rauchfrei-Programm). Zusammen mit geringeren Teilnahmegebühren punktet SQUIN mit einem höheren Public-Health-Nutzen.

Einleitung

Tabakkonsumenten erwägen in der Mehrzahl, das Rauchen aufzugeben, und führen früher oder später auch einen oder mehrere Aufhörversuche durch (Matos, Kraus, Pabst & Piontek, 2013). Leider scheitern die meisten dieser Versuche in Eigenregie (Hoch & Kröger, 2011). Ein weiteres Problem ist die Motivation zur Nutzung professioneller Tabakentwöhnungsmaßnahmen als eher gering – selbst in Regionen, in denen die Versorgung mit Vor-Ort-Entwöhnungstrainings prinzipiell gegeben wäre. In ländlichen Gebieten verbindet sich die geringe Motivation überdies auch noch mit einer gravierenden Unterversorgung mit professionellen Tabakentwöhnungstrainings (Etzel, Mons, Schmitt, Lang & Pötschke-Langer, 2008).

Bisherige Entwöhnungsangebote werden zumeist zeitlich und örtlich gebunden angeboten. Für viele Aufhörwillige erweist sich die Teilnahme vor Ort und zu vorgegebenen Zeiten als nicht ohne Weiteres realisierbar, weil berufliche oder persönliche Verpflichtungen und eine wachsende Flexibilisierung der Tagesabläufe der Teilnahme entgegenstehen. Hinzu kommt auch im Bereich Tabakentwöhnung eine Hemmschwelle durch Schamgefühle und Stigmatisierungsängste: Aufgrund der Sorge, sich vor anderen zu blamieren oder sich als abhängig zu offenbaren, werden Vor-Ort-Angebote nicht selten gemieden (Bauer & Kordy, 2008).

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Diplom-Psychologe Willi Zeidler studierte in Berlin und den USA Psychologie und Neurowissenschaften mit Schwerpunkt Achtsamkeit und Emotionsverarbeitung. Es folgte eine Ausbildung zum MBSR-Lehrer (»mindfulness based stress reduction«) und Rauchfrei ©-Trainer. Nach klinischen Tätigkeiten im Psychosomatik- und Suchtbereich arbeitet er als Psychologischer Psychotherapeut in eigener Praxis und promoviert bei Prof. Dr. Dieter Kleiber an der FU Berlin über SQUIN.

Prof. Dr. Dieter Kleiber ist Klinischer Psychologe, Verhaltenstherapeut und Leiter des Arbeitsbereichs Public Health: Prävention und psychosoziale Gesundheitsforschung der Freien Universität Berlin. Forschungsschwerpunkte unter anderem: Gemeindeund Gesundheitspsychologie, Versorgungsforschung, Sozialepidemiologie sexualwissenschaftliche Forschung, sozialwissenschaftliche Aids- und Drogenforschung.


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