Jedem Einfall wohnt ein Zauber inne

Kurze Einstimmung auf Wesen und Messung der Kreativität

Kreativität ist ein gleichermaßen anziehender wie schillernder Begriff. Verstanden als menschliche Eigenschaft, wird sie gern als Anforderung zumindest in allen anspruchsvolleren Berufen genannt. Hierbei ist sie ein modernes Synonym für Fantasie und Originalität, Einfalls- und Erfindungsreichtum, Vorstellungs-, Gestaltungs- und Schöpferkraft. Goethe hat (in seinen Schriften zur Natur- und Wissenschaftslehre) das Erkennen und Erfinden als »unseren vorzüglichsten selbsterworbenen Besitz« angesehen. Das Faszinosum des Kreativen wird lebendig, wenn wir Schriften hochkreativer Menschen und Berichte über sie lesen und dabei das Gefühl erleben, etwas von ihrer Kreativität abzubekommen – und von ihrer Freude an Einfällen, wie sie aus einer Äußerung des großen Physikers Richard Feynman im Rahmen einer Fernsehsendung deutlich wird: »I find myself trying to imagine all kinds of things all the time, and I get a kick out of it, just like a runner gets a kick out of sweating.« Wann immer Kreativität gelobt wird, ist sie dadurch charakterisiert, dass es sich um eher unerwartete, also originelle Einfälle handelt und fast immer auch um positiv bewertete, was dem Konstrukt »Kreativität« nahezu eine ethische Komponente zubilligt.

Wo die guten Einfälle herkommen, wurde von den Betroffenen und ihren Bewunderern meist nicht erkannt, sondern nur mit glücklichem Erstaunen registriert. Heimito von Doderer nannte sie »Meteore des Geistes«, und Goethe bemerkte (in seinen Gesprächen mit Eckermann), »dass die guten Einfälle immer wie freie Kinder Gottes vor uns dastehen und uns anrufen: Da sind wir!« Wenn wir ehrlich sind, sind wir in dieser Frage auch noch nicht viel weitergekommen. Zwar wurden reichlich Hypothesen und kognitive Modelle aufgestellt, neue Begriffe eingeführt, und die Aufklärungsverantwortung wurde mit Neurologen geteilt, aber wirkliche Heureka- Erlebnisse stehen diesbezüglich noch aus. Weder den Akt des kreativen Einfalls noch die Eigenschaft »Kreativität« insgesamt vermögen wir bislang auf Ursachen zurückzuführen, die diese Bezeichnung wirklich verdienen. Was wir gesammelt haben, sind aber immerhin Korrelate an Fähigkeits- und Persönlichkeitsmerkmalen sowie förderliche und hindernde Bedingungen in Lebens-, Lern- und Arbeitssituationen. Damit werden wir uns im Folgenden vor allem befassen.

Heinz Schuler ist emeritierter Professor der Psychologie an der Universität Hohenheim, Stuttgart. Die von ihm und seiner Arbeitsgruppe entwickelten Tests wurden in bis zu 20 Sprachen übertragen. Gemeinsam mit Yvonne Görlich ist er Autor des Buches »Kreativität. Ursachen, Messung, Förderung und Umsetzung in Innovation«.

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