Wandel fordert Integrität

Psychologische Blicke auf die Allmende »Redlichkeit«

Korruption heißt Verrat

Korrupt handelt, wer Entscheidungsspielräume zum persönlichen Vorteil missbraucht, statt die übergeordneten Ziele zu verfolgen, die der Staat, die Gesellschaft oder die Organisation setzen. Die langfristigen Folgen sind – selbst bei »kleinem« Missbrauch – verheerend: Korruption unterhöhlt das Vertrauen in die Handlungsgrundlagen einer Gesellschaft, vor allem in Rechtssicherheit, fachliche Kompetenz und Zuverlässigkeit von Amtsträgern. Sie führt zur Bildung kleiner Eigenwelten mit einem hohen Maß an Unberechenbarkeit durch verdeckte Nebenkosten, also zum Zerfall von Kooperation. Sie zerfrisst die Wirtschaftsleistung, weil sie Investitionen durch unabsehbare Hindernisse entmutigt und Effizienz und Qualität als Steuerungskriterien aushebelt.

Wurzeln liegen im Alltagshandeln

Streng besehen gehen viele Menschen mit Regeln lässig um, wo das Erleichterungen verschafft: Handy und Internet am Arbeitsplatz nutzen, die Arbeitszeit abkürzen, Steuern hinterziehen, den Wald verdrecken, Gülle verklappen, Plastik privat im Gartenfeuerchen verbrennen, altes Fleisch in neue Verpackungen schweißen.

Wir schlagen die Zeitung auf und finden Alltagskriminalität. Selbst in sympathischen Branchen wie Schulen, Kitas und Unis ist die Korruption explodiert, seit ein Landeskriminalamt genauer hineinleuchtet (Bundeslagebericht Korruption 2014). Steuert eine Gesellschaft dem nicht entgegen, kann sie rasch von Gier überwuchert werden.

»Grenzmoral« ist ein Lernprozess

Korrupte Austauschmuster wachsen durch Lernen am Erfolg in kleinen Schritten. Am Anfang steht das »Anfüttern «, kleine Nettigkeiten, dann größere, dann die freundschaftliche Bitte um einen harmlosen Gefallen, meist in einer Rahmengeschichte von Kollegialität und »Vernetzung«. Erst spät folgen größere Gefallen, schließlich illegale. Die BKA-Lagebilder zeigen daher: Zwei Drittel der korrupten Beziehungen sind über drei Jahre aktiv. Aber natürlich geht es auch schneller und selbstgetrieben, etwa unter hohem Erfolgsdruck – zum Beispiel in der Wissenschaft. Auch die psychologische Spitzenforschung hatte ja kürzlich ihren Skandal.

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Prof. Dr. Thomas Kliche


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