Störung durch Glücksspielen

Ein Überblick

Zusammenfassung

Im Unterschied zu anderen Spielen ist der Ausgang bei einem Glücksspiel ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängig. Etwa 50 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in Deutschland nahmen im vergangenen Jahr an einem Glücksspiel teil. Ein kleiner Teil von Personen (0,2 – 0,5 %) entwickelt eine Störung durch Glücksspielen. Die Störung ist unter anderem charakterisiert durch einen Verlust der Kontrolle über das Geld und die Zeit, die für Glücksspiele aufgewendet werden, eine starke kognitive Einengung auf das gestörte Verhalten und durch ausgeprägte komorbide Störungen. Oft kommen schwere negative psychosoziale und finanzielle Folgen hinzu. Insgesamt zeigt sich, dass Merkmale der Glücksspieler, soziale Faktoren und Glücksspielmerkmale zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Störung durch Glücksspielen beitragen. Angesichts der vielfältigen Faktoren, die mit Glücksspielproblemen einhergehen, scheint eine Kombination von verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnahmen am ehesten geeignet, eine Störung durch Glücksspielen zu verhindern. Wichtige Therapieziele zur Behandlung einer Störung durch Glücksspielen sind die Motivation zur Änderung des Verhaltens, die Erkennung und Behandlung komorbider Störungen und die Rückfallprophylaxe. Weitere Therapieziele und -strategien sollten individuell ergänzt werden, zum Beispiel eine Schuldnerberatung oder ein Problemlösetraining.

1. Einleitung

In den vergangenen Jahren sind Glücksspiele immer mehr in das öffentliche Interesse geraten. Das liegt zum einen an der medialen Präsenz, zum Beispiel von Rekord-Jackpots oder von Personen, die aufgrund von Problemen mit dem Glücksspielen spektakuläre Verluste oder sogar Strafverfahren in Kauf nehmen. Zudem sind zahlreiche Themen wie »Monopol des Staates als Anbieter von Glücksspielen und als eigene Kontrollinstanz« sowie »Ausmaß und Ausgestaltung der Glücksspielregulierungen« Gegenstand aktueller politischer und fachlicher Debatten in Deutschland und Europa (Kuske & Timmann, 2015). Beispiele hierfür sind die anhaltenden Diskussionen um die praktische Umsetzung der Regelungen des Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV) in den Bundesländern, wie die Mindestabstandsregelungen zwischen Spielhallen. Dieser Beitrag soll einen Überblick über das aktuelle Fachwissen zum Thema »Glücksspiele und Störung durch Glücksspielen « in komprimierter Form bieten und eine Unterstützung für die Arbeit in diesem Bereich darstellen.

2. Glücksspiele und rechtliche Grundlagen

Glücksspiele haben in der kulturellen Geschichte der Menschheit bereits eine lange Tradition. Abgrenzend von anderen Spielen ist der Ausgang bei einem Glücksspiel ausschließlich oder vorwiegend vom Zufall abhängig. Für den Erwerb der Gewinnchance wird ein Entgelt verlangt (§ 3 Abs.1 GlüStV).

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Prof. Dr. Gerhard Bühringer leitet die Professur für Suchtforschung an der Technischen Universität Dresden. Im Rahmen der Professur beschäftigt er sich mit Faktoren und Prozessen bei Beginn, Verlauf und Spontanremission beziehungsweise Behandlung von Störungen durch Substanzkonsum und Glücksspielen.

Dr. Anja Kräplin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Suchtforschung. In Forschung und Lehre widmet sie sich vor allem dem Thema »Störung durch Glücksspielen«, wobei ihr Schwerpunkt in der Grundlagenforschung liegt. Insbesondere beschäftigt sie sich mit neurokognitiven Prozessen, die dazu beitragen, dass bestimmte Personen eine Störung durch Glücksspielen entwickeln, während andere ohne Probleme an Glücksspielen teilnehmen können.


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