Geschichte des BDP

Walter Jacobsen: erster Vorsitzender des BDP

Der in Hamburg-Altona geborene Walter Jacobsen (1895–1986) war im Ersten Weltkrieg Offizier und in der Weimarer Republik Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), der auch der spätere erste Bundespräsident Theodor Heuss angehörte. Er studierte in den 20er-Jahren Psychologie in Hamburg und war dort letzter Doktorand des Lehrstuhlinhabers William Stern, der 1933 Deutschland verließ. Mit seinem Ansatz zur Messung intellektueller Fähigkeiten war Stern einer der Begründer der Eignungsdiagnostik in Deutschland.

Mit diesem Rüstzeug aus der Universität wurde Walter Jacobsen Berufsberater im öffentlichen Dienst – wegen seiner Kontakte zum linksliberalen Widerstand in Hamburg allerdings 1936 als »politisch unzuverlässig« entlassen. Für seine Emigration nach Schweden (1937) war wohl mitbestimmend, dass Walter Jacobsen aus einer hanseatischen Kaufmannsfamilie stammte, die schon lange mit skandinavischen Partnern geschäftliche Beziehungen pflegte.

Im schwedischen Exil betrieb er ein privates Institut für Berufsberatung. 1946, ein Jahr nach Kriegsende, wurde auf Jacobsens Initiative in Hamburg der »Berufsverband Deutscher Psychologen« (BDP) gegründet und er selbst zum Vorsitzenden gewählt.

In der Aufbauphase der Bundesrepublik entstand unter der Regie des Innenministeriums 1952 die »Bundeszentrale für Heimatdienst« in Bonn, später umbenannt in »Bundeszentrale für politische Bildung«. Walter Jacobsen leitete dort bis zum Eintritt in den Ruhestand (1960) das Referat VI (Psychologie) – eine Tätigkeit, die ihn notwendigerweise in das Schnittfeld von Psychologie und politischer Bildung führte.

Noch vor seiner Pensionierung gelang es ihm, innerhalb des »Berufsverbands Deutscher Psychologen« eine Sektion »Politische Psychologie« zu gründen (1958) – vom offiziellen Organ des BDP (»Psychologische Rundschau«) allerdings zunächst eher mit Misstrauen registriert und aktiv ignoriert. Seitdem gilt Jacobsen – zumindest im Umfeld des BDP – als »Vater« (A. Schorr) und »Mentor« (S. Preiser) der Politischen Psychologie in der Bundesrepublik.

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Rainer Krieger und viele weitere Zeitzeugen.


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