Freude am Denken

Grundlagen und Anwendungsperspektiven des Need for Cognition

Zusammenfassung

Need for Cognition (NFC) beschreibt die Freude an und die Beschäftigung mit kognitiv komplexen Aufgaben. Das Persönlichkeitsmerkmal NFC hängt in maximal mittlerem Maße mit Intelligenz zusammen, kann also als konzeptuell vergleichsweise unabhängig gesehen werden. Es steht weiterhin mit zielstrebigem, beharrlichem und emotional stabilerem Verhalten in Zusammenhang. Es kann sowohl direkt über Fragebögen für verschiedene Altersgruppen als auch indirekt über einen impliziten Assoziationstest erfasst werden. Seine potenzielle praktische Bedeutung zeigt sich maßgeblich im Kontext von Lern- und Leistungssituation, wo es sich als förderlich für effizientes Lernverhalten und bessere Leistungen erwiesen hat. Weitgehend offen ist derzeit die Frage nach den kognitiven Grundlagen und der Entwicklung von NFC. Künftige Forschungsvorhaben sollten sich daher vorrangig diesen Aspekten widmen und damit eine Basis für effektive Interventionen und eine Steigerung der Freude am Denken über die Lebensspanne schaffen.

Einleitung

Nach einer einflussreichen Intelligenzkonzeption – der Investmenttheorie der Intelligenz von Cattell (1987) – besitzen Menschen ein als weitgehend angeboren angenommenes intellektuelles Potenzial, die sogenannte fluide Intelligenz. Unter dem Einfluss von sozialen und erzieherischen Faktoren wird dieses Potenzial in den Erwerb regelbasierten Wissens, der sogenannten kristallisierten Intelligenz, investiert. Menschen unterscheiden sich allerdings systematisch darin, ob und in welchem Ausmaß sie in den Erwerb von Wissen und die Lösung von Aufgaben Anstrengungen investieren. Motivationale Faktoren spielen somit eine zentrale Rolle im Prozess des Wissenserwerbs. In diesem Beitrag widmen wir uns daher der Freude am Denken und Lernen und der Bereitschaft, gedanklichen Aufwand zu leisten. Diese Motivation zu denken wird in den Arbeiten zur Thematik in der Regel als kognitive Motivation bezeichnet und umfasst eine Reihe von Merkmalen mit je unterschiedlicher Konzeption. Wir legen den Schwerpunkt unserer Darstellung auf das Merkmal »Need for Cognition«. Dabei wollen wir einen Überblick über die vorhandene Befundlage zu Grundlagen von Need for Cognition geben, die Erfassung des Merkmals für verschiedene Personengruppen vorstellen und seine Bedeutung für die praktische Anwendung, speziell im Kontext von Schule und Studium, anhand ausgewählter Resultate illustrieren.

Theoretischer Hintergrund

Wann sind Menschen motiviert, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen und geistige Anstrengungen zu investieren? Welche Bedingungen begünstigen eine Informationsverarbeitung, die möglichst faktenbasiert ist und viele Sichtweisen oder Quellen einbezieht? Aus der Forschung in diesem Bereich ist bekannt, dass zunächst vor allem situative Determinanten eine Rolle spielen.

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Prof. Dr. Anja Strobel, Technische Universität Chemnitz, Institut für Psychologie Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik.

Alexander Strobel, Technische Universität Dresden.


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