Internetnutzung im Alter

Diffusion, Alltagsrelevanz und Kompetenzvermittlung

Zusammenfassung
Unser Alltag füllt sich immer mehr mit digitalen Inhalten, und wir leben heute in einer Gesellschaft, in der das Internet täglich genutzt und das Smartphone schnell zur Hand genommen wird. Was bei der Betrachtung der Technikentwicklung und -verbreitung aber oftmals vernachlässigt wird, ist die Tatsache, dass nicht alle Personengruppen einen Zugang zu neuen Technologien wie zum Beispiel dem Computer oder dem Internet haben. Gerade ältere Personen nutzen auch heute noch weniger das Internet, als dies jüngere Personen tun. Der vorliegende Beitrag versucht, die neusten Erkenntnisse zur Internetnutzung im Alter darzustellen und neben der Beschreibung der On- und
Offliner auch auf die Frage der Alltagsrelevanz und Vermittlung von Technik- und Medienkompetenz einzugehen.

 

Einleitung
Moderne Gesellschaften befinden sich derzeit in einem weitreichenden Transformationsprozess, der neben Globalisierungstendenzen vor allem durch zwei Entwicklungslinien gekennzeichnet ist: erstens einen demografischen Wandel, der mit immer mehr älteren Menschen einhergeht, die noch älter werden, wobei gleichzeitig aufgrund niedriger Geburtenraten der Anteil an jüngeren Menschen abnimmt – ein Prozess, den Tews (1977) bereits vor fast vier Jahrzehnten als »dreifaches Altern« bezeichnet hat. Diese »Gerontologisierung des Alltags« ist also keineswegs neu, jedoch ist sie erst heute auf gesellschaftlicher Ebene so sichtbar und allgegenwärtig geworden, dass sie nicht mehr ignoriert werden kann. Zweitens geht es um Wandlungsprozesse in Richtung einer »Mediatisierung des Alltags«, die durch eine sehr hohe technische Innovations- und Diffusionsdynamik in der Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) gekennzeichnet ist (vgl. Hepp & Krotz, 2014). Dies hat zur Folge, dass zunehmend auch ältere Kohorten mit »digitalen Welten« konfrontiert werden. Die Digitalisierung, die sich aktuell durch Schlüsselmedien wie das Internet und mobile Technologien wie Tablet-PCs und Smartphones ausdrückt, bietet für das Alter
vielfältige Ressourcen für Autonomie, Mobilität und Partizipation. Gleichzeitig bedingt die Mediatisierung des Alltags einen »Umweltdruck« für ältere Menschen, sich mit technisierten Umwelten – wie zum Beispiel Bankautomaten, Fahrkartenschaltern – auseinandersetzen zu müssen. Damit zusammenhängend besteht die Gefahr, »abgehängt« und ausgegrenzt zu werden – eine »digitale Exklusion«, die das Gefühl von Obsoleszenz verstärkt. Dieses Spannungsfeld zwischen Chancen und Risiken will der Beitrag aufzeigen. Hierzu werden vorrangig eigene
Befunde aus repräsentativen Forschungsdaten aus der Schweiz und Deutschland zur Nutzung von IKT im Alter vorgestellt. Darüber hinaus werden speziell für das Internet die Potenziale für das Alter beschrieben und Wege zur Technik- und Medienkompetenz im Alter aufgezeigt. Als Grundlage dienen Ergebnisse aus der repräsentativen Schweizer Studie von 2009 und 2014 zur Internetnutzung von Personen ab 65 Jahren (je ca. N = 1000) von Seifert und Schelling (2010, 2015) sowie ausgewählte Vergleichsdaten aus dem (N)Onliner-Atlas aus Deutschland von 2002 bis 2014 (TNS Emnid, jeweils N = 30 000 bis 50 000, 14 bis 99 Jahre). Der vorliegende Beitrag versteht
sich als vergleichende Zusammenfassung (deskriptive Beschreibung) bestehender Forschungsergebnisse der beiden Länder und Autoren.

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