Health Literacy

Risikokompetenz - Statistik - transparente Information

Wir brauchen risikokompetente Ärztinnen und Ärzte sowie eine risikokompetente Gesellschaft, um selbstbestimmte Entscheidungen von Patientinnen und Patienten möglich zu machen. Dafür sind sowohl bessere Fähigkeiten im Umgang mit Gesundheitsstatistiken als auch leicht zugängliche und interpretierbare Gesundheitsinformationen, die transparent kommuniziert werden, von zentraler Bedeutung.

Wie firm sind Ärzte und Patienten in Statistik?
Urteile von Ärzten basieren teils auf mangelhaftem Verständnis von Statistik und der damit verbundenen Fehleinschätzung von Risiken. Das haben mehrere Untersuchungen gezeigt, die am Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin durchgeführt wurden. Als Beispiel kann die Einschätzung von Tests dienen, um zu erklären, wie die Illusion der Gewissheit entsteht. Diese beschreibt das emotionale Bedürfnis nach Sicherheit, wo keine existiert. So werden Testergebnisse als absolut sicher verstanden und Behandlungen mit einer scheinbaren Heilungsgarantie verknüpft. Leider teilen Ärzte ihren Patienten häufig nicht mit, dass selbst die besten Tests keine absolute Sicherheit bieten und man jedes Untersuchungsergebnis mit Vorsicht interpretieren muss. Das zeigte beispielsweise eine Undercover-Studie, in der Forscher die Qualität der HIV-Test-Beratung in Gesundheitsämtern untersuchten (Prinz et al., 2015). Es wurde festgestellt, dass eine Mehrheit der befragten Berater die Illusion der Gewissheit vermittelten, zum Beispiel hinsichtlich des positiven Vorhersagewerts eines HIV-Testergebnisses. Die Aussagekraft oder das Verhältnis von Nutzen und Schaden von diagnostischen Tests, Früherkennungsmethoden oder Behandlungen werden selten kommuniziert. Das Resultat sind mangelhaft informierte Patienten, wie sich in dieser Umfrage zeigte: 2008 stellten Gigerenzer et al. in einer bundesweiten Studie mit 1000 Deutschen über 18 Jahren die Frage: »Welche der folgenden Tests sind absolut sicher?« Eine Mehrheit der Befragten antwortete, dass HIVTests (63 Prozent), Fingerabdrücke (63 Prozent) und DNA-Tests (78 Prozent) sicher seien. Nur vier Prozent gaben an, dass ein von Experten erstelltes Horoskop sichere Ergebnisse liefern könne. Tatsächlich bietet keines der Verfahren die genannte Sicherheit. Unwissenheit  über die Aussagekraft eines positiven Testergebnisses seitens Ärzten sowie Patienten kann zu Überdiagnosen, zur Überbehandlung sowie zu unnötiger Beunruhigung führen und andere schwerwiegende psychologische Konsequenzen haben.

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