Den Krisen zum Trotz: Entwicklungsperspektive der Resilienz

Fachartikel von Bernhard Leipold und Barbara Loidl

Zusammenfassung

Wir stellen Resilienz als Konstellation von Risikofaktoren und Bewältigungsprozessen vor, die zu einer positiven Entwicklung trotz Krisen beitragen. Wir definieren Resilienz zunächst aus entwicklungspsychologischer Perspektive und zeigen verwandte Konzepte (Coping, Salutogenese) auf und werfen dann einen Blick auf Forschungstrends und ausgewählte Befunde. Einen Akzent setzen wir auf die intentionale Entwicklungsgestaltung, die die Handlungsmöglichkeiten des Individuums in schwierigen Lebenslagen deutlich machen soll. Schließlich gehen wir mit einigen Ansatzpunkten zur Prävention und Intervention auf die Relevanz für psychologische Praxisfelder (z.B. Entwicklungsberatung) ein.

Einleitung


Resilienz ist ein Konzept, das sich in der psychologischen Forschung und Ratgeberliteratur weit verbreitet hat, möglicherweise gerade deswegen, weil der Begriff sehr unterschiedlich verwendet wird. Ein gemeinsamer Nenner liegt darin, dass sich Menschen Krisen, Verlusten oder Stress (Boerner & Jopp, 2010; Filipp & Aymanns, 2010) zum Trotz positiv entwickeln können. Dies erscheint im Hinblick auf akut Betroffene (z.B. angesichts politischer Konflikte, der Flüchtlingskrise, von Terroranschlägen, Virusepidemien, Vernachlässigung und Armut) auf den ersten Blick paradox, hat aber andererseits – aus der Distanz betrachtet – auch seine fesselnde und faszinierende Seite: Wer möchte dazu nicht in der Lage sein? Wohl auch aufgrund spannender biografischer Berichte sind resilienten Personen sehr außergewöhnliche personale Kräfte zugeschrieben worden (Masten, 2016). Der magische Schleier wurde gelüftet, und empirische Studien haben gezeigt, dass Krisen nicht einfach abprallen oder durch Zauberschnitt von Personen getrennt werden, sondern dass sich Resilienz entwickelt (Greve & Staudinger, 2006; Leipold & Greve, 2009; Werner, 2007) und ein weit verbreitetes Phänomen – vielleicht sogar eher die Regel als die Ausnahme – ist (zahlreiche stabilisierende Faktoren sind bekannt; vgl. Staudinger & Greve, im Druck; Wright, Masten & Narayan, 2013). Allerdings geraten die Meinungen auseinander, wenn man genauer fragt, wie dies möglich ist: Ist Resilienz die Ursache, vermittelnder Prozess oder Resultat (vgl. Kaplan, 1999)? Weil in den angewandten psychologischen Berufsfeldern (z.B. der Psychotherapie, Schulpsychologie oder Entwicklungsberatung) häufig Kompetenzen zur Förderung der "Ausnahmen" und nicht der Regel verlangt werden, werden später praxisrelevante Aspekte aufgezeigt.

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