Titelschutz

Kommentar zum Urteil des Landgerichts München

Es geht um die Frage, ob sich ein Professor und Anbieter von Seminaren als "Wirtschaftspsychologe" bezeichnen darf, wenn er kein Hauptfachstudium der Psychologie mit einem Diplom beziehungsweise äquivalent Bachelor und Master abgeschlossen hat. Der Beklagte hatte allerdings Psychologie als "zweites Hauptfach" studiert, das im Vergleich zu einem "normalen" Hauptfachstudium sehr wenig psychologische Inhalte hatte, und mit einem Magister Artium abgeschlossen. Im Disput zwischen dem Beklagten und dem BDP hatte der Beklagte auf "Focus Online" einen Artikel eingestellt, in dem er sich zu der Frage ausgelassen hat, wer den Titel "Wirtschaftspsychologe" führen darf. Dort äußerte er unter anderem: "Selbstverständlich darf ich mich also mit meinen aufgeführten Qualifikationen 'Wirtschaftspsychologe' nennen."

Parallel ist ein Disput zwischen dem Beklagten und der Journalistin, Psychologin und Redakteurin der BDP-eigenen Zeitschrift "Wirtschaftspsychologie aktuell" Bärbel Schwertfeger ausgefochten worden, in dem der Beklagte gegen sie in zweiter Instanz verloren hat.

Der BDP mahnte den Angeklagten im Herbst 2015 erfolglos ab. Das Landgericht München entschied nun auf ganzer Linie entsprechend der sachlichen Argumentation des BDP. Das Landgericht bildete sogar den "Focus Online"-Artikel im Urteil ab. Diesen Artikel hatte übrigens "Focus Online" auf Monierung durch den BDP in einigen Punkten geändert, zum Beispiel in der vormals unzutreffenden Behauptung, der BDP habe 1985 einen Heilpraktiker "bis vor den Bundesgerichtshof gezerrt", obwohl damals tatsächlich der Heilpraktiker bis vor den Bundesgerichtshof (BGH) zog, was man bei Lektüre des BGH-Urteils mit einem Blick erkennen kann. In zwei mündlichen Verhandlungen hatte das selbstbewusste Auftreten des anwesenden Beklagten offenbar wenig genützt, ihm fehlten die überzeugenden Argumente. Das Gericht folgte dem BDP in seiner sachlichen Argumentation und urteilte: "Die angesprochenen Verkehrskreise verstehen unter der Berufsbezeichnung 'Wirtschaftspsychologe' einen Psychologen, welcher eine besondere Spezialisierung im Bereich der Wirtschaft erlangt hat. Die angesprochenen Verkehrskreise erwarten von einem Wirtschaftspsychologen einen ausreichend ordnungsgemäß ausgebildeten Psychologen und damit eine Person, die ihr psychologisches Studium entweder mit dem Diplom beziehungsweise mit dem Bachelor und einem darauf aufbauenden Masterstudium absolviert hat."

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Rubrik "Psychologie & Recht" unserer aktuellen Ausgabe.

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