Stutenbissigkeit, Männerbünde und subtile Gewalt blockieren

Interview mit Lilo Endriss

Lilo Endriss berät in ihren Kreativitätskursen vor allem weibliche Klientinnen. Die ungeschriebene Geschichte der Künstlerinnen im 19. Jahrhundert und davor hat ihr Interesse an diesem Themenfeld geweckt. Weibliche Rollen und Genderfragen tauchen bei der täglichen Arbeit als Psychologin, Coach und Kursleiterin immer wieder auf. Mit Alenka Tschischka sprach sie über ihre Erfahrungen.

Wie waren Ihre ersten beruflichen Schritte mit der Beratung in diesem Themenfeld?

Ich habe eine Zeit lang für eine Non- Profit-Organisation gearbeitet, die arbeitslose Frauen betreut hat. Da ging es vor allem um die Reflexion: Was war mein bisheriger Berufsweg? Was möchte ich weiter machen? Wie will ich mich positionieren? Und das alles unter der Fragestellung, weiblich zu sein.

Mit welchen Fragestellungen kommen Ihre Klientinnen zu Ihnen? Ist »Gender Gap« ein Thema?

Aus meiner langjährigen Erfahrung in der Existenzgründungsberatung kann ich berichten, dass diese Frage nicht im Vordergrund steht. Aberhäufig ergab sich der Grund, dass weibliche, sehr gut gebildete und erfahrene Gründerinnen ihren Job verlassen wollten, weil sie kaum Anerkennung und Wertschätzung ihrer Person erfahren haben. Das ergab sich insbesondere, wenn sie Impulse in diesen Unternehmen geben wollten. Die mangelnde Wertschätzung ging meist von männlichen Chefs und Kollegen aus. Eine weitere Push- Motivation für die Gründung eines eigenen Unternehmens waren auch die erhofften besseren Verdienstmöglichkeiten und höhere Entscheidungsspielräume, die sie vorher nicht besaßen. Männliche Kollegen hatten die Aufstiegsmöglichkeiten besetzt und pflegten bessere Kontakte zu den Personen mit der Hausmacht. Die Pull-Motivation bestand bei den Gründerinnen in der Erwartung, als Selbstständige attraktivere Arbeiten ausführen zu können.

Konnten die Gründerinnen die erhofften Karrieren verwirklichen?

Teilweise. Ein schwieriger Punkt war und ist immer wieder das Zahlenwerk, das Abklären der Wünsche auf der betriebswirtschaftlichen Seite. Realistische Kalkulationen und auch die nicht zu vernachlässigende Alterssicherung sind die Basis einer jeden Existenzgründung. Frauen tun
sich da häufig schwerer als männliche Klienten.

Und Sie coachen auch weibliche Führungskräfte. Haben diese andere Fragestellung als männliche?
In dieser Gruppe schält sich – nicht am Anfang, aber später im Coaching-Prozess – heraus, dass Frauen die eigene Position beim strategischen Vorgehen weiterentwickeln müssen. Diese Art der Planung erscheint vielen Frauen ungewohnt und wird nur am Rande bedacht. Vielen erscheint diese Herangehensweise auch ehrenrührig.

Lesen Sie das gesamte Interview in der aktuellen Ausgabe.

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