Was ändert sich mit der neuen Richtlinie?

Größte Reform der psychotherapeutischen Versorgung seit 1999

 

Ein völlig neues und zentrales Versorgungselement stellt die psychotherapeutische Sprechstunde dar. Ihr zentrales Ziel ist die Indikationsstellung: Bei Verdacht auf eine seelische Krankheit soll eine Beratung und Information sowie eine erste Diagnosestellung, Klärung des individuellen Behandlungsbedarfs und entsprechende Behandlungsempfehlung erfolgen. Darüber hinaus können, sofern erforderlich, kurze psychotherapeutische Interventionen eingesetzt und Hinweise auf andere Beratungs- und Unterstützungsangebote gegeben werden.

Für Psychotherapeuten, die über eine Abrechnungsgenehmigung für eine Richtlinienpsychotherapie verfügen, ist die Sprechstunde ab dem 1. April 2017 verpflichtend. Niedergelassene mit einem vollen Versorgungsauftrag müssen fortan eine Sprechstunde von mindestens 100 Minuten pro Woche, aufteilbar in 25-minütige Einheiten, anbieten; bei halbem Versorgungsauftrag sind es 50 Minuten pro Woche. Dabei kann die Sprechstunde wahlweise offen oder mit Terminvergabe gestaltet werden.

Die Sprechstunde wird bei Erwachsenen als Einzelbehandlung in Einheiten von mindestens 25 Minuten und höchstens sechsmal je Krankheitsfall durchgeführt – insgesamt also mit bis zu 150 Minuten. Bei Kindern und Jugendlichen sind höchstens zehn Einheiten je Krankheitsfall vorgesehen (also insgesamt maximal 250 Minuten).

Ein Konsiliarbericht ist zur Inanspruchnahme der Sprechstunde nicht nötig. Erst wenn eine Therapieindikation gestellt ist und eine Psychotherapie begonnen werden soll, muss der Therapeut einen Konsiliarbericht einholen.

Für Patienten, die eine ambulante Psychotherapie in Anspruch nehmen möchten, ist der Besuch einer Sprechstunde von mindestens 50 Minuten ab dem 1. April 2018 verpflichtend. Man geht davon aus, dass sich bis zu diesem Termin das Sprechstundenangebot in den ambulanten Praxen etabliert hat, sodass der Zugang der Patienten zur psychotherapeutischen Versorgung sicher gestellt ist. Nicht nötig ist die Sprechstunde bei Therapeutenwechsel oder wenn bei einer stationären oder rehabilitativen Behandlung eine weiterführende ambulante Therapie empfohlen wurde.

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