Es ist hohe Zeit für Verbesserungen

Ver.di droht Verlust des letzten akademischen Gesundheitsberufes

Seit 18 Jahren gibt es die akademischen Heilberufe der Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. In der ambulanten Gesundheitsversorgung waren sie von Anfang an hinsichtlich der Vergütung den Ärztlichen Psychotherapeuten gleichgestellt. Um die 30000 Kollegen arbeiten in Krankenhäusern, Reha-Kliniken, Beratungsstellen oder anderen Beschäftigungsverhältnissen. Nur 20 Prozent davon sind in verschiedenen Gewerkschaften organisiert. Sie sind gesucht, und nicht immer können offene Stellen umgehend besetzt werden.

Die Berufe Master- bzw. Diplom-Psychologe und Psychologischer Psychotherapeut sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin sind von allen Berufssparten am geringsten von Arbeitslosigkeit betroffen. Die Nachfrage im Gesundheitswesen wie auch im psychosozialen
oder pädagogischen Bereich ist enorm.

Während in anderen Sektoren des Gesundheitswesens die Eingruppierungen und damit die Löhne stetig gestiegen sind, werden wir (PP/KJP) immer weiter heruntergerechnet. Das begann damit, dass mit der Auflösung des Bundesangestelltentarifs fast alle Vorteile einer Eingruppierung nach Alter, Zugehörigkeit und Weiterbildungsstand verloren gingen. Es setzte sich fort. Nach langen Kämpfen um eine neue Entgeltordnung für alle Gesundheitsberufe im TVöD und eine eigentlich schon fast von den meisten Arbeitgebern akzeptierte Gleichstellung mit den Fachärzten auch im Angestelltenbereich kam es zu einer deutlichen Herabstufung auf EG14. Der BDP hatte für etwas anderes gestritten und EG15 verlangt. Approbation bzw. Staatsexamen hin oder her, das entspricht der früheren Entgeltgruppe Ib im BAT, die Diplom-Psychologen als Bewährungsaufstieg erhielten. Ver.di hat in den TVöD-Verhandlungen 2016 klein beigegeben, um die Entgeltordnung bei den Arbeitgebern für alle Gesundheitsberufe durchzudrücken. Die Psychotherapeuten reagierten enttäuscht, denn weder ist im Angestelltenbereich ihr Status den Fachärzten gleichgesetzt worden, noch werden sie wie im ambulanten Bereich gleichwertig mit den Facharztkolleginnen und -kollegen bezahlt.

Eine dann schnell von zwei BDP- und ver.di-Mitgliedern (Dr. Klaus Thomsen und Dr. Heiner Vogel) organisierte Unterschriftenaktion im Sommer 2016 erbrachte 4816 Unterschriften der Betroffenen PP/KJP im Angestelltenbereich, davon immerhin neun Prozent Gewerkschaftsmitglieder in nur zwei Monaten.

Wenn Gewerkschaft und Arbeitgeber hier nicht noch mal nachlegen mit Verbesserungen, verliert ver.di den letzten akademischen Gesundheitsberuf und Deutschland wieder eine Berufsgruppe, die im Ausland deutlich besser bezahlt wird.

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