Zur Zukunft der Psychotherapeutenausbildung

Plädoyer für das Studium der Psychologie als Basis

Nachdem das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) im Juli 2017 einen Arbeitsentwurf zur Novellierung des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) vorgelegt hatte, informierte der Vorstand des BDP über wesentliche Aspekte in einem Mitgliederbrief und bezog Stellung (BDP, 2017).

Arbeitsentwurf zur Gesetzesnovellierung

Zentrale Punkte des Entwurfs seien zunächst noch einmal zusammengefasst (BMG, 2017):

  • Der Bachelor-Studiengang soll polyvalent bleiben, das heißt, es soll mit der Bewerbung um einen Studienplatz keine starre Festlegung auf Psychotherapie erfolgen. Offen ist, ob die Bezeichnung »Psychologie« für den Bachelor-Studiengang beibehalten wird.
  • Es soll einen einheitlichen Zugang zur Ausbildung geben. Sowohl Psychotherapie für Erwachsene als auch für Kinder und Jugendliche soll nach einheitlichen Standards an einer Universität oder einer gleichgestellten Hochschule studiert werden.
  • Ein wissenschaftliches Studium mit Bachelor- und Master-Abschluss soll um zwei Staatsprüfungen ergänzt werden. Eine Weiterbildungsphase zum Erwerb der Fachkunde soll sich anschließen.
  • Nur das Ergebnis der Staatsprüfungen soll relevant für die Zulassung zum nächsten Ausbildungsabschnitt sein. Die Kapazitätssteuerung entsprechend des vom BMG erreschneten Bedarfs an Psychotherapeuten soll an den Hochschulen mit der Zulassung zum Master-Studium erfolgen.
  • Die Approbation soll parallel zum Master-Abschluss erworben werden.
  • Die Absolventen betreiben wie bisher Heilkunde. Ihr Arbeitsgebiet soll unter anderem auf die betriebliche Gesundheitsförderung ausgeweitet werden.
  • Bisher ungeklärt sind die Berufsbezeichnung, der Umfang der Weiterbildungsphase und die Bezahlung der Absolventen in der Weiterbildungsphase.

Die ersten beiden genannten Punkte entsprechen in weiten Teilen dem BDP-Modell der zukünftigen Psychotherapeutenausbildung (Krämer, 2015). Zu den übrigen Punkten gibt es jedoch noch großen Diskussionsbedarf.

Schlechtes Vorbild Medizinstudium


Durch die Bologna-Reform hat der Staat den Hochschulen die Studienganggestaltung übertragen. Nun wird das tradierte Medizinmodell kopiert, obwohl bekannt ist, dass dessen Aufbau als Staatsexamensstudiengang reformbedürftig ist. So ist zum Beispiel die wissenschaftliche Qualität vieler medizinischer Abschlussarbeiten fragwürdig. Und was bedeutet es für ein wissenschaftliches Studium, wenn die absolvierten Prüfungen für das angestrebte Berufsziel keine oder nur geringe Bedeutung haben? Wer die Anforderungen eines Hochschulstudiums kennt, wähnt sich im Paradies: Hauptsache nicht durchfallen, die Ergebnisse sind gleichgültig. Es kommt nur auf die beiden Staatsprüfungen an. Die Approbation gibt es dann als »Bonus« zum Studienabschluss dazu. Für Studierende mag dies vordergründig attraktiv erscheinen. Der Entwicklung, dass im Studium nur noch zählt, »was Punkte bringt«, wird damit jedoch Vorschub geleistet. Die Hochschulen sollen zum Flaschenhals werden, um die Zahl der Psychotherapeuten in Deutschland zu steuern. Wer im Staatsexamen scheitert, bleibt auf der Strecke. Absolventen mit Abschluss, aber ohne Staatsexamen sollen in anderen (psychologischen) Arbeitsfeldern ihr Auskommen suchen, obwohl im Studium die Inhalte auf heilkundliche Tätigkeiten ausgerichtet und für das Staatsexamen nicht relevante Fächer weniger bedeutsam sind.

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