Wilhelm Wundt: Gründervater ohne Söhne?

Wilhelm Wundt gründete die experimentelle Psychologie als Disziplin und wurde zu einem Pionier der Kulturpsychologie. Von Leibniz‘ Philosophie beeinflusst, arbeitete er die erste einheitliche Wissenschaftstheorie der Psychologie aus und praktizierte einen multimethodischen und perspektivischen Ansatz. Die vielleicht wichtigsten Gründe für den relativ geringen Einfluss von Wundts Werk und Wissenschaftstheorie könnten in dem hohen Anspruchsniveau seiner epistemologisch begründeten Konzeption der Psychologie und in dem Schwierigkeitsgrad seiner umfassenden Methodik liegen. Mit seiner Definition der »Seele« als aktueller Prozess gab Wundt die Idee eines metaphysischen »substanziellen Trägers« auf; seine »Psychologie ohne Seele« wurde durch mehrere zeitgenössische und spätere Psychologen und Philosophen scharf kritisiert.
Wundts Assistenten und Kollegen referierten in ihren Büchern Wundts umfassende Wissenschaftskonzeption der Psychologie nur sehr unzureichend; niemand aus diesem Kreis leistete eine kreative Weiterentwicklung von Wundts Prinzipien. Dieser hatte bereits in
der Gründungsphase der universitären Psychologie eine anspruchsvolle metawissenschaftliche Reflexion ausgebildet, und dieses Potenzial an Interdisziplinarität und Perspektivität ist bei Weitem nicht ausgeschöpft.

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