Somatopsychologie: Das PANDAS-Syndrom

»PANDAS« hört sich nett nach den etwas tolpatschig wirkenden chinesischen Bären an, dahinter verbirgt sich aber eine geradezu gruselige neuropsychiatrische Erkrankung. Gruselig deshalb, weil sie Kinder betrifft und urplötzlich mit massiver psychischer Symptomatik ausbricht.
1998 beobachtete die Arbeitsgruppe um Susan Swedo erstmals, dass Kinder nach einer oft nur vergleichsweise banalen Infektion abrupt drastische psychische Störungen zeigten. Navkhare und Palvra beschrieben 2014 eine typische Krankheitsgeschichte: Ein zuvor unauffälliger Zehnjähriger
zeigte bereits seit über vier Wochen Verhaltensauffälligkeiten, die plötzlich aufgetreten waren. Er war reizbar, unruhig und litt unter erhöhter Trennungsangst. Zudem weigerte er sich, mit seiner Schwester oder anderen Kindern zu spielen. Er weinte, wenn man ihm nicht zuhörte, und bestand darauf, dass seine Eltern und Geschwister sich nicht eine einzige Minute von ihm entfernten, er ließ sie nicht einmal in ein anderes Zimmer gehen. Innerhalb von zwei Tagen verstärkte sich dieses Verhalten so, dass er bereits beim Gedanken an eine Trennung weinte. Einmal, als seine Eltern seinen Wünschen widersprachen, wurde er sehr wütend und kratzte sich sein Gesicht blutig. Die Eltern bemerkten außerdem, dass ihr Sohn Schwierigkeiten hatte, Arbeiten zu bewältigen, die er sonst zuverlässig erledigt hatte. Seine Handschrift hatte sich verschlechtert, und seit einem Monat konnte er keine Hausaufgaben mehr machen.
Der Junge wurde zu einem Psychiater gebracht, wo ihm ein Antidepressivum (Escitalopram) und ein Tranquilizer (Clonazepam) verschrieben wurden. Trotz der Medikation verbesserte sich die Symptomatik nicht. In einer sehr detaillierten Anamnese gab es keinerlei Hinweise auf Konflikte, Stress oder Belastungen, weder zu Hause noch in der Schule. Die Eltern berichteten lediglich, dass ihr Kind fünf Tage vor Beginn der Symptome mildes Fieber gehabt hatte, das aber ohne Medikamente zurückgegangen war.

Erkrankungen der Somatopsychologie

Die Abkürzung »PANDAS« steht für »Pediatric Autoimmune Neuropsychiatric Disorders Associated with Streptococcal Infections« und fällt unter den Oberbegriff »PANS«, was »Pediatric Acute-onset Neuropsychiatric Syndrome« bedeutet. Während PANS durch unterschiedliche Keime, Stoffwechselstörungen oder Umgebungsfaktoren verursacht wird, bezieht sich PANDAS auf die
Infektion mit einer bestimmten Bakterienart: ß-hämolysierender Streptokokkus pyogenes der Gruppe A. Infolge der Infektion setzen schlagartig Symptome ein, die ohne Behandlung einen chronischen Verlauf nehmen können. PANDAS und PANS gehören damit zu den typischen Erkrankungen aus dem Kreis der Somatopsychologie, das heißt zu psychischen Störungen, die als Folge organischer Erkrankungen auftreten (Kasten, 2010; 2011).

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