Hilfe für Geflüchtete mit psychischen Störungen

Interview mit Eva-Lotta Brakemeier

Wie entstand die Idee hinter dem Modellprojekt?
Wie so viele Menschen hatte auch ich im Sommer 2015, als die Zahl der Geflüchteten in Deutschland dramatisch anstieg, das Bedürfnis zu helfen. Aber wie? Zu dieser Zeit hielt ich an der PHB ein Seminar zur Interpersonellen Therapie (IPT). Während ich darüber sprach, fiel mir auf, wie gut die Passung zwischen IPT und der Situation von Geflüchteten ist: Ansatzpunkt sind interpersonelle Belastungen, wie etwa Rollenwechsel (also Lebensveränderungen), Konflikte, Trauer und Isolation. Dabei bezieht sich die IPT auf das Hier und Jetzt, also die aktuellen Lebensumstände in den Ankunftsländern, bzw. die jüngste Vergangenheit, also Erlebnisse auf der Flucht oder in den Herkunftsländern. Zudem ist die IPT schulenübergreifend schnell erlernbar, leicht zu implementieren
und für die multidisziplinäre Zusammenarbeit geeignet. Sie hat sich vor allem in der Depressionsbehandlung als sehr wirksam erwiesen und wurde bereits erfolgreich in anderen Kulturen angewendet. Damit erschien diese Therapieform sehr gut geeignet für ein Kurzzeittherapieprojekt für Geflüchtete.

Wie ging es dann weiter?
Mir erschien es aufgrund der oft schwierigen psychosozialen Situation der Ankommenden sinnvoll, die IPT um den für Geflüchtete sehr relevanten Therapiefokus »Integration in die Arbeits- und Sozialwelt« zu ergänzen. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat auf eine Anfrage hin sofort Interesse signalisiert. Nachdem ich zusammen mit meiner Co-Projektleiterin PD Dr. Meryam Schouler-Ocak, einer Expertin der Migrationstherapie, einen umfassenden Antrag gestellt hatte, ging alles erfreulich schnell: Die Idee hatte ich Mitte August, Ende Oktober
war klar, dass wir finanzielle Unterstützung bekommen würden. Gelder, die wir vor allem für die Organisation und die Bezahlung der Dolmetscherinnen und Dolmetscher benötigten.

Die Therapierenden haben sich ehrenamtlich engagiert?

Ja, das war sehr berührend. Wir haben anscheinend einen Nerv getroffen.
Viele hatten damals das Gefühl: Ich will helfen, weiß aber nicht, wie.

Lesen Sie das gesamte Interview in unserer Januar-Ausgabe

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