Kein Psychologie-Bachelor für die Psychotherapieausbildung?

Das Bundesverwaltungsgericht entschied im August 2017, dass für den Zugang zur Psychotherapieausbildung ein fehlender Bachelor-Abschluss im Fach Psychologie nicht schädlich sein muss, ein Master-Abschluss in Psychologie reiche gegebenenfalls zur Aufnahme der Ausbildung aus. Der BDP hatte bereits mit einer Pressemitteilung im August seine Empörung über dieses Ergebnis zum Ausdruck gebracht, denn für den Zugang zur Psychotherapieausbildung muss Psychologie diplomäquivalent, also mit Bachelor- und Master-Abschluss, studiert worden sein. Nachdem nunmehr die Urteilsbegründung vorliegt, ist zwar der Einzelfall transparenter geworden und daher der befürchtete Dammbruch nicht ohne Weiteres zu erwarten, das Urteil bleibt aber inakzeptabel.

Keine konkrete Äquivalenzprüfung des Studiums
Der Kommentierung des Urteils ist die Information aus den vorinstanzlichen Urteilen voranzustellen,
dass die betroffene Klägerin zwar lediglich einen Bachelor in Sozialpädagogik vorzuweisen hatte, aber schon in diesem Bachelor-Studium ihren Schwerpunkt verstärkt auf Psychologie setzte, für den Master Ergänzungslehrgänge durchlief und somit den Psychologie-Master ergänzte.
Dies ändert indes nichts an der Kritik am Ergebnis des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts.
Denn auch wenn die psychologischen Studienteile in der Summe äquivalent gewesen sein sollten,
hätten das die beiden vorherigen Tatsacheninstanzen prüfen und bejahen müssen, was sie aber nicht taten, und das Bundesverwaltungsgericht hätte bei diesem inhaltlichen Ansatz, der für die Klägerin sprechen könnte, zur (erneuten) Tatsachenfeststellung zurückverweisen können. Aus der Ferne betrachtet bestehen zumindest Zweifel, ob ein Pädagogik-Bachelor zusammen mit
vier Ergänzungskursen zur Äquivalenz mit einem Bachelor-Studium der Psychologie führt.
Die Tatsachengerichte haben eine ergebnisoffene Äquivalenzprüfung ebenso wenig durchgeführt wie anscheinend schon zu Beginn die Behörde. Es gibt zudem Argumente, die gegen den inhaltlichen Ansatz der Äquivalenzprüfung im Einzelfall sprechen. Denn Bachelor und
Master dokumentieren nicht nur eine Summe von psychologischen Studienbestandteilen, sondern das Durchlaufen eines Studiums mit all seinen Bedeutungen, wie zum Beispiel dem Lehrkörper in seiner Gesamtheit, den Wechselwirkungen während des Psychologiestudiums usw. Mag der Gedanke angesichts immer differenzierterer Bildungsvitae auch modern erscheinen, das Fehlen eines fachbezogenen akademischen Abschlusses kann nicht ohne Weiteres durch eine Äquivalenzprüfung übergangen werden. Weder ist das Bundesverwaltungsgericht einem solchen abstrakten Einwand nachgegangen, noch hat es Regeln für die Äquivalenzprüfung
im Einzelfall eingefordert. Eine solche Prüfung wäre jedenfalls aufwendig und vermutlich strittig gewesen. Mithin bleibt zumindest im Urteil offen, ob die Klägerin materiell die Voraussetzungen eines Psychologiestudiums erfüllte.

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