Psychologie der Freundschaft

Zusammenfassung
Freundschaften sind freiwillige, informelle, wechselseitige, zumeist positive Beziehungen  vorwiegend ohne offene Sexualität. Damit unterscheiden sich Freundschaften von Familien-, Partnerschafts- und Arbeitsbeziehungen. Sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer Funktion verändern sich Freundschaften über die gesamte Lebensspanne. Im Durchschnitt nimmt die Zahl
der Freundinnen und Freunde im Jugendalter deutlich zu und verringert sich dann wieder. Ebenfalls sinkt die Kontakthäufigkeit vom jungen Erwachsenenalter bis ins hohe Alter. Da häufig besonders enge Freundschaften erhalten bleiben, muss die generelle Verringerung in der Anzahl und dem Kontakt mit Freundinnen und Freunden keine nachteiligen Auswirkungen auf die  Lebenszufriedenheit und das Wohlbefinden haben. Außerdem unterscheiden sich Menschen stark darin, wie sie Freundschaften unterhalten; und diese Unterschiede lassen sich zum Teil auf Kontextfaktoren, aber auch auf Persönlichkeitseigenschaften zurückführen. Gleichzeitig können sich Menschen in ihren Eigenschaften in einem gewissen Maß durch die Erfahrungen ändern, die sie
in Freundschaften machen. Auch auf gesellschaftlicher Ebene lassen sich, wie in den vorherigen Jahrhunderten, Veränderungen beobachten, die jedoch nur die Flexibilität dieser Beziehungsform und der Menschen, die sie unterhalten, verdeutlichen.

Einleitung
Freundschaft fasziniert seit jeher und wird von den meisten Menschen extrem positiv bewertet. So erkannte schon Aristoteles Freundschaft als eine Beziehung unter Gleichen, die auf  Wechselseitigkeit und Verbundenheit beruht, und Montaigne betrachtete die Freundschaft sogar als die höchste Form der menschlichen Beziehung. Auch in der heutigen Zeit haben Freundschaften
einen sehr hohen Stellenwert und erfüllen neben familiären und partnerschaftlichen Beziehungen viele wichtige Funktionen wie soziale und emotionale Unterstützung. Dabei verändern sich  Freundschaften und auch ihre Funktion von der Kindheit über die Jugend bis ins Erwachsenenalter. Da Menschen ihre Freundschaften auf unterschiedliche Weise pflegen, drängt sich die Frage auf, wie sich Persönlichkeitsunterschiede in Freundschaften auswirken und wie sich umgekehrt die
Persönlichkeit durch Freundschaften verändert. Offen ist gegenwärtig auch, wie die neuen Medien Freundschaften und andere soziale Beziehungen in Zukunft verändern werden. Die Psychologie der Freundschaft wollen wir in diesem Beitrag aus vier Blickwinkeln darlegen: Erstens werden wir ganz allgemein die grundlegenden Mechanismen der Freundschaftsentstehung und der freundschaftlichen Beziehungsgestaltung in Abgrenzung zu anderen Beziehungsarten erörtern. Zweitens beleuchten wir die generelle Entwicklung von Freundschaften im menschlichen Lebensverlauf. Drittens sollen Freundschaftsbeziehungen differenziell betrachtet und im Hinblick auf ihre Relevanz für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung diskutiert werden. Viertens gehen wir der Frage nach der Bedeutung von Freundschaftsbeziehungen in unserer Zeit und in der Zukunft nach.

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