»Ich mach‘ das nur noch schnell fertig!«

»Ich mach‘ das nur noch schnell fertig!« Mit diesen oder ähnlichen Worten werden wohl oft Familienangehörige oder Bekannte vertröstet – und nicht selten trösten sich Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer damit auch selbst darüber hinweg, dass sie außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten, am Abend oder am Wochenende arbeiten. Die Arbeitszeiten in Deutschland sind hoch flexibel. Das zeigt sich nicht nur in einschlägigen Statistiken zu Abend-, Nacht-, Schicht- und  Wochenendarbeit, sondern auch beim Blick ins Arbeitszeitgesetz, das etwa die Ausweitung der täglichen Arbeitszeit auf zehn Stunden erlaubt. Hinzu kommt, dass nach Berechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im Jahr 2016 insgesamt 820 Millionen bezahlte und noch einmal 941 Millionen unbezahlte Überstunden geleistet wurden. »Wir brauchen nicht noch mehr Entgrenzung von Arbeitszeiten, sondern Reformen, die auch den Beschäftigten einen größeren Anteil an der ›Flexibilitätsrendite‹ bringen«, kommentiert Dr. Yvonne Lott, Soziologin und Arbeitszeitexpertin der Hans-Böckler-Stiftung, die Situation. Mehr Flexibilität werde nur zu mehr Überstunden und mehr Druck auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer führen.

Arbeitszeitwünsche oft nicht realisiert
Tatsächlich profitieren nicht alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von der im Allgemeinen gestiegenen Flexibilität. So ergab eine Untersuchung von Seifert, Holst, Matiaske und Tobsch aus dem Jahr 2016, dass gut die Hälfte der Beschäftigten mit ihrer aktuellen Wochenarbeitszeit
unzufrieden war. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten Daten des Sozio- oekonomischen Panels (SOEP) der Jahre 2011 bis 2014 mit mehr als 10.000 Befragten ausgewertet. Rund 40 Prozent wünschten sich, kürzer zu arbeiten (wobei nur die Personen gezählt
wurden, deren Wunscharbeitszeit um mehr als fünf Wochenstunden von den tatsächlichen Arbeitsstunden abwich). Darunter waren besonders viele Beschäftigte – meist Männer –, die über 40 Stunden pro Woche arbeiteten. Längere Arbeitszeiten wünschten sich hingegen zwölf Prozent der Befragten (wobei wieder nur Personen gezählt wurden, bei denen Wunsch und Wirklichkeit um mindestens fünf Wochenstunden auseinanderlagen). Dies waren überwiegend Frauen, die nur 20 Stunden in der Woche oder weniger berufstätig waren. Deutlich wurde in der Studie zudem, dass nicht einmal die Hälfte der Beschäftigten ihre persönlichen Arbeitszeitwünsche im  Untersuchungszeitraum verwirklichen und damit die Arbeitszeit entsprechend ihren persönlichen Lebensbedingungen gestalten konnte.

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