Erstgespräche bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch

Interview mit Prof. Dr. Renate Volbert zum Projekt »ViContact«

Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule, wo neben Bildungs- auch Erziehungsprozesse stattfinden und soziale Beziehungen geknüpft werden. Mit dem Entstehen von Vertrauensbeziehungen zu Lehrkräften stellen diese auch potenzielle Ansprechpartnerinnen und -partner für Schülerinnen und Schüler dar, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind. Anliegen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts »ViContact« ist es,  angehende Lehrkräfte in einem Training auf diesen Erstkontakt vorzubereiten, ihnen relevantes Wissen, vor allem aber Handlungsmöglichkeiten zu vermitteln, sodass sie nicht wegschauen,
schweigen oder irreversible Schäden anrichten. »ViContact« ist ein Verbundprojekt der Europa-Universität Flensburg (Institut für Sonderpädagogik; Dr. Simone Pülschen), der Georg August  Universität Göttingen (Schwerpunktprofessur für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie; Prof. Dr. Jürgen Müller) und der Psychologischen Hochschule Berlin (Professur für Rechtspsychologie;
Prof. Dr. Renate Volbert).

Wie kam es zu dem Projekt? Wie haben die Beteiligten zusammengefunden?
Ausgelöst durch die Diskussionen rund um bekannt gewordene Missbrauchsfälle in der Kirche und in Schulen, ist seit einigen Jahren die Forschung zum Thema verstärkt worden. Schwerpunkt unseres Projekts ist der Umgang mit sexualisierter Gewalt in pädagogischen Kontexten. Dabei geht es uns nicht nur um die Vermittlung von Wissen, sondern vor allem um die Möglichkeit eines Trainings von Erstgesprächen mit potenziell von sexuellem Missbrauch Betroffenen. An der Psychologischen Hochschule Berlin werden wir dazu realistische Situationen identifizieren und »Drehbücher« erstellen. Diese Szenen werden am Ludwig-Meyer-Institut der Universitätsmedizin Göttingen, das über ein eigenes Virtual-Reality-Labor (VR-Labor) verfügt, in virtuelle Szenarien umgesetzt, die dann im Lehrkräftetraining an der Europa-Universität Flensburg zur Anwendung kommen. So bringen alle am Projekt Beteiligten ihre unterschiedlichen Kompetenzen ein.

Welche Vorteile bringt das Training in virtueller Realität?
Ich denke, es gibt bei Lehrkräften große Unsicherheiten, wenn es darum geht, das Thema »sexualisierte Gewalt« anzusprechen. Wie bespricht man so etwas, wie reagiert man? Kann man etwas falsch machen? Was ist zu tun, und wie kann die oder der Betroffene unterstützt werden? Die Unsicherheiten auf diesem Gebiet führen mitunter dazu, dass übereilt gehandelt wird, oder dass Lehrkräfte überfordert sind, was es wiederum betroffenen Kindern und Jugendlichen schwerer macht, sich zu öffnen. Nun kann man aber eine solche Situation schlecht üben – mit Kindern und Jugendlichen verbietet sich das von selbst, und Rollenspiele mit Erwachsenen sind nur begrenzt hilfreich, denn diese reagieren eben nicht wie Kinder. Daher kam die Idee auf, die virtuelle Realität
und computersimulierte Interviews zu nutzen.

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