Rechtliche Absicherung sozialer Elternschaft

Stiefkindadoption und Familienstand

In einer Stellungnahme äußerte sich der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) als sachkundiger Dritter nach § 27a BVerfGG zu einer Verfassungsbeschwerde.

Zum Sachverhalt
Die Beschwerdeführerin ist Witwe und lebt mit dem Beschwerdeführer seit mehreren Jahren in einer nicht ehelichen Partnerschaft zusammen. Aus der Ehe mit ihrem verstorbenen Mann sind zwei Kinder hervorgegangen; zudem haben die Beschwerdeführenden ein weiteres, gemeinsames Kind. Die Beschwerdeführenden möchten nicht heiraten, wünschen aber – auch dem Wunsch der Kinder entsprechend –, dass diese die Stellung gemeinschaftlicher Kinder erhalten. Der entsprechende Antrag
wurde in den verschiedenen Instanzen zurückgewiesen. Eine Adoption mit der Rechtsfolge, dass die Anzunehmenden die Stellung gemeinschaftlicher Kinder der Antragstellenden erlangen, sei nach derzeitiger Gesetzeslage nicht möglich, denn die Antragstellenden seien nicht verheiratet. Gegen diese Entscheidungen erhoben die Beschwerdeführenden Verfassungsbeschwerde.

Derzeitige Rechtslage

Nach derzeitiger Rechtslage knüpft der Gesetzgeber die Möglichkeit der Stiefkindadoption an das Bestehen einer Ehe (§ 1741 Abs. 2 BGB). Im Folgenden wird aus psychologischer Sicht beleuchtet, ob die typisierende Annahme, die Lebensbedingungen in einer rechtlich verbindlichen Lebensgemeinschaft böten grundsätzlich die bessere Gewähr für kindeswohlverträgliche Lebensverhältnisse, psychologisch begründet ist.

Stieffamilien

Der Begriff der »Stieffamilie« ist unbestimmt; eine einheitliche Definition gibt es nicht (zur Übersicht von
Begriffsdefinitionen siehe BMFSFJ, 2013). Unter primären Stieffamilien versteht man Familien, in denen ein leiblicher Elternteil mit Kind(ern) und einem neuen Partner oder einer neuen Partnerin in einer Haushaltsgemeinschaft zusammenlebt. Wird in einer Stieffamilie zusätzlich ein gemeinsames Kind geboren, entsteht eine komplexe Stieffamilie. Schätzungen zufolge liegt der Anteil der primären Stieffamilien an allen Haushalten mit minderjährigen Kindern zwischen zehn und 14 Prozent
(vgl. Entleitner-Phelps & Walper, 2014). Im Jahr 2016 lebten 68,2 Prozent der Kinder in Deutschland
bei verheirateten Eltern, 8,5 Prozent in Lebensgemeinschaften und 23,3 Prozent bei Alleinerziehenden
(Statistisches Bundesamt, 2017). Im Jahr 2012 stammten 56 Prozent aller Erstgeborenen von verheirateten Müttern ab (Anteil steigend in den vergangenen Jahren; Statistisches Bundesamt, 2007, 2012). In Stieffamilien sind 75 Prozent der Partnerinnen und Partner verheiratet (Kreyenfeld & Heintz-Martin, 2012).

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