Das Transferproblem bei psychologischen Interventionen

Zusammenfassung
Psychologische Ansätze zur Analyse und Überwindung des Transferproblems bei psychologischen Interventionen werden im Überblick dargestellt. Interventionen wollen in aller Regel nicht nur Verhalten und/oder Erleben im Interventionssetting, sondern vor allem im Lebensalltag von Menschen verändern helfen. Positiver Transfer ist ein allgemeiner Wirk- und Effektfaktor von pädagogisch-psychologischen Interventionen, Personaltrainings, gesundheits- und klinisch-psychologischen sowie  psychotherapeutischen Interventionen. Eingegangen wird auf (1) die sozial-kognitiven Ansätze von
Rotter und Bandura zur Lösung des Transferproblems, wobei die Diagnose und die Beeinflussung von Kontroll- und Selbstwirksamkeitsüberzeugungen im Vordergrund stehen, (2) die lernpsychologischen Transferbegriffe und deren empirische Analysen und (3) Prozessmodelle und -taxonomien des Transfers, in denen Prozesse der konzeptuellen Veränderung und Wissensintegration bzw. der behavioralen Veränderung und deren Integration in das bestehende Verhaltens- und/oder Erlebensrepertoire im Vordergrund stehen. Dabei werden jeweils Hinweise zum Abbau transferhinderlicher und zum Aufbau
transferförderlicher Maßnahmen gegeben.

Einleitung
»Wie viele Psychologinnen oder Psychologen werden gebraucht, um eine Glühbirne einzuschrauben, sodass sie auch dann leuchtet, wenn sie nicht dabei sind?« – »Eine(n), wenn die Glühbirne mitmacht.« Dieser alte Psychologinnen- und Psychologen-Witz charakterisiert sowohl Prozesse im  Interventionssetting als auch das Transferproblem aller psychologischen Interventionen, die es zum Ziel haben, Verhalten und Erleben nicht nur im Interventionssetting, sondern primär im Lebensalltag von Menschen verändern helfen zu wollen. Das gilt für pädagogisch-psychologische Interventionen und Personaltrainings ebenso wie für psychotherapeutische, gesundheits- und klinisch-psychologische Interventionen. Verhaltens- und Erlebensveränderungen im geschützten Raum unter psychologischer oder therapeutischer Anleitung können nur ein erster Schritt sein. Ziel ist vielmehr der Transfer der gewollten Verhaltens- und Erlebensveränderungen in den Alltag oder auf definierte natürliche
Lebensbereiche oder -situationen. Diese Zielsetzung ist unabhängig von der jeweiligen Interventions- oder Therapiemethode, also ein allgemeiner Wirk- und Effektfaktor: Transfer wird etwa sowohl in der kognitiv-behavioralen Psychotherapie (über Techniken zum Aufbau erwünschten sowie zum Abbau unerwünschten Verhaltens und Erlebens) als auch in der Psychoanalyse und tiefenpsychologisch fundierten Therapie (über Einsicht fördernde Techniken) sowie in humanistischen Therapiemethoden (über Techniken zur Unterstützung der Selbstverwirklichung) angestrebt. Entsprechendes gilt für die unterschiedlichen Ansätze der psychologischen Beratung und des Trainings. So sehen etwa Schuler und Görlich (2007) nach einer einschlägigen Literaturübersicht für Personaltrainings zur Kreativitätsförderung keine Transferwirkungen als nachgewiesen. Hany (1992) stimmt dem für Kreativitätstrainings in pädagogisch-psychologischen Kontexten zu. Bei der Vermittlung autoinstruktiver Entspannungsmethoden (wie autogenes Training und progressive Relaxation) in klinischen und präventiven Kontexten bleiben die Transferquoten im Durchschnitt unter oder gerade bei 30 Prozent (Krampen, 2013).

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