Reform des Psychotherapeutengesetzes

Meinungsumfrage bei Psychologiestudierenden

Eine überraschend große Zahl von Studierenden startet ohne konkretes Berufsziel ins Psychologiestudium. Dies ist eines der Ergebnisse einer Online-Befragung von über 3.000 Studierenden an 60 Hochschulen in Deutschland.

Hintergrund
Bisher ist ein Studium der Psychologie mit klinischem Schwerpunkt an einer Universität oder gleichgestellten Hochschule das Zugangskriterium für die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten bzw. zur Psychologischen Psychotherapeutin sowie ein mögliches Zugangskriterium für die Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie (§ 5 Abs. 2 PsychThG). Zum Zeitpunkt des Inkrafttretens des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG; 1. Januar 1999) war Psychologie
bundesweit noch ein Diplomstudiengang. Der einheitliche Abschluss »Diplom-Psychologie« wird deshalb
im PsychThG als Qualifikation und entsprechendes Zugangskriterium verwendet. Mit Beginn des Bologna-Prozesses im gleichen Jahr wurden die Studiengänge auf das Bachelor-Master-System umgestellt. Als eine Konsequenz wurde der Psychologie-Bachelor bundesweit weitestgehend standardisiert, während auf Master-Niveau sowohl »klassische« Psychologie als auch sogenannte »Bindestrich«-Psychologiefächer angeboten werden. Wegen Unklarheiten über die Äquivalenz der
»neuen« Studienabschlüsse kam es dazu, dass in einigen Bundesländern der Bachelor-Abschluss in Psychologie oder Pädagogik ausreichend ist, um die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie-Ausbildung zu beginnen. Letztere Entwicklung war ein Anstoß für die Reform des PsychThG. Man will den Zugang wieder klar regeln und damit die Qualität der Ausbildung erhalten. Ein weiterer Anstoß war der Wunsch nach Finanzierung der praktischen Anteile der Ausbildung. Bisher müssen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) nicht vergütet werden, weil es sich bei der Therapieausbildung um eine vom Studium unabhängige Ausbildung handelt. Durch eine Lücke im Mindestlohngesetz kann nicht einmal dieser gefordert werden. Um die Finanzierung vermeintlich zu vereinfachen, entstand die Idee des sogenannten »Direktstudiums«, eines Studiums der Psychotherapie, das eine Approbation direkt nach dem Studium ermöglicht. Der Gesetzgeber sieht
deshalb in seinem Arbeitsentwurf vom 20. Juli 2017 vor, dass von Beginn an Psychotherapie studiert werden soll. In den Novellierungsprozess sind zahlreiche Akteurinnen und Akteure involviert. Von politischer Seite sind dies insbesondere das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie das Ministerium für Bildung und Forschung, Vertreterinnen und Vertreter der Hochschulen, der Ausbildungsinstitute, der verschiedenen Berufsverbände sowie der Gewerkschaften. Dabei wird bisweilen intensiv debattiert, jedoch häufig ohne empirische Grundlage für die vertretenen Meinungen und noch häufiger ohne Berücksichtigung der Meinungen und Einstellungen der Personen, die die Änderung der Ausbildungsregelungen betreffen wird – PiA und vor allem auch Psychologiestudierende.
Aus diesem Grund hat es sich ein Zusammenschluss der Psychologie-Fachschaften-Konferenz (PsyFaKo), der Studierenden im BDP (BDP-S) sowie des VPP zur Aufgabe gemacht, die Einstellungen und Meinungen von Psychologiestudierenden systematisch zu erfragen: unter anderem ihre Berufsziele und deren Änderungen während des Studiums, ihre Einstellung bezüglich des aktuellen Psychologiestudiums sowie ihre Meinung zum aktuellen Arbeitsentwurf.

Lesen Sie den gesamten Artikel in unserer November/Dezember-Ausgabe.

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