Die Albtraumstörung und ihre Behandlung

Fast jeder Mensch ist schon einmal schweißgebadet aus einem beängstigenden oder bedrohlichen Traum hochgeschreckt und war dann erleichtert, dass es »nur ein Traum« war. Für manche Menschen werden Träume aber zur beängstigenden Gewohnheit. Was sind Albträume, und wie entstehen sie? Wann und wie werden Albträume zur Störung? Und wie können sie behandelt werden?

Im DSM-5 (Falkai & Wittchen, 2015) werden Albträume als »ausgedehnte, dysphorische und gut erinnerte Träume« defi niert. Diese treten »meist in der zweiten Hälfte der Schlafperiode« auf, in der der Anteil des Tiefschlafs sinkt und der Anteil des REM-Schlafs steigt. Im REM-Schlaf findet auch der überwiegende Teil des nicht bedrohlichen Träumens statt.

Fallbeispiel
Frau F. fährt mit einem riesigen Auto, in dem sie Lampen transportiert, das Lenkrad ist so groß wie das Steuerrad eines Schiffs. Sie kann es nicht richtig beherrschen. Allen anderen gelingt es, zwischen den Öffnungen im Lenkrad hindurchzusehen, aber ihr nicht, weil ihr Kopf unter das Autodach geklemmt ist. Als ein kleiner Junge auf einem Fahrrad vor ihr Auto fährt, kann sie das Lenkrad nicht schnell genug herumreißen und überfährt ihn. Die Polizei hat den Unfall beobachtet und nähert sich langsam. Schweißgebadet wacht Frau F. auf.

Albträume können nach traumatischen Erlebnissen auftreten. Dann wird die traumatische Situation im Traum wiedererlebt, oder die Handlung ist emotional oder symbolisch mit dem Trauma assoziiert. Albträume können jedoch auch aus heiterem Himmel auftreten und wiederkehren, ohne dass Betroffene schwerwiegende Traumata erlebt haben. Diese idiopathischen Albträume sind häufig fantasiereicher und mit etwas geringerer Erregung, Hilflosigkeit und Aufwachhäufigkeit assoziiert als posttraumatische Albträume. Idiopathische und posttraumatische Albträume können stereotyp immer gleich ablaufen oder Nacht für Nacht ganz unterschiedlich aussehen. Sie lassen sich dann aber meist zu Oberthemen zusammenfassen (Wittmann & de Dassel, 2015). Typische Albtrauminhalte sind nach DSM-5  »Bemühungen […], Bedrohungen des Überlebens, der Sicherheit oder der körperlichen Integrität zu vermeiden«. Daneben finden Untersuchungen aber auch häufig Inhalte wie zwischenmenschliche Konflikte, Hilflosigkeit, Gesundheitssorgen, den Tod einer nahestehenden Person, Suizidalität oder Alltagserfahrungen wie Zuspätkommen (Robert & Zadra, 2014; Schredl, 2010). Meist lösen die Trauminhalte intensive Angst aus. Es können jedoch ebenso andere intensive Gefühle wie Wut, Scham, Schuld oder Ekel auftreten. Auch das schweißgebadete Erwachen ist eine typische, für die Klassifizierung als Albtraum aber nicht notwendige Begleiterscheinung (Falkai & Wittchen, 2015). Wenn die Person erwacht, ist sie schnell orientiert. Sie weiß, »dass alles nur ein Traum war«. Das unterscheidet Albträume vom sogenannten »Nachtschreck« oder Pavor Nocturnus, bei dem Betroffene oft mit einem Schrei und starker körperlicher Erregung hochschrecken, sehr schwer weckbar und lange verstört sind und sich im Nachhinein kaum an klare Traumbilder erinnern können. Einen Albtraum hat fast jeder Mensch schon einmal gehabt, oft in Stressphasen. Meistens gehen die Träume mit Abklingen der Belastung vorbei, sie können jedoch auch zur Störung werden. Eine Albtraumstörung wird diagnostiziert, wenn die Albträume wiederholt auftreten und in klinisch bedeutsamer Weise Leid verursachen oder zu Beeinträchtigungen in sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Funktionsbereichen führen.

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