NLP zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Zusammenfassung

Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) ist vor mehr als 40 Jahren als Versuch entstanden, eine effektive Therapieform zu entwickeln. Inzwischen reichen die Anwendungsfelder bis ins Wirtschaftsleben. Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick über grundlegende Annahmen und Methoden des NLP und reflektiert die einschlägige Forschung. Dabei erscheint NLP als eine Pseudowissenschaft, die es vor allem versteht, das Bedürfnis nach einfachen Psychotricks zu bedienen. Die Popularität von Ansätzen wie NLP mag auch etwas damit zu tun haben, dass die Psychologie es in weiten Teilen der Wirtschaft nicht schafft, sich erfolgreich als evidenzbasierte Alternative zu präsentieren.

Einführung

Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) gehört zu den Ansätzen, die von vielen Laien mit Psychologie assoziiert werden, im klassischen Psychologiestudium jedoch keine Rolle spielen. Glaubt man der Selbstdarstellung des NLP, so handelt es sich hierbei nicht nur um eine erfolgreiche Psychotherapiemethode, sondern auch um eine Ansammlung von Techniken, die in vielen Beratungsfeldern (wie etwa Familie oder Konfliktmediation) sowie in der Wirtschaft (etwa bei Verkaufsgesprächen, Führung, Coaching oder Personalauswahl) wertvolle Dienste leistet (Kanning, 2013). Das Kürzel »NLP« fördert in einer bekannten Internetsuchmaschine mehr als 9,8 Millionen Einträge zutage. Dutzende von Buchpublikationen mit Titeln wie »Erfolgreich im Beruf mit NLP«, »NLP – Fähigkeiten entdecken, Bewusstsein entwickeln, Leben verändern« oder »NLP für Manager – Abschied von der Durchschnittlichkeit mit dem Power Potential« sind seit Jahrzehnten fester Bestandteil des Ratgebermarktes. Auch wenn NLP in Deutschland aufgrund des Psychotherapeutengesetzes im klinischen Sektor keine große Bedeutung zukommen mag, in der Wirtschaft hat sich NLP schon lange etabliert. Nicht selten wird bei Stellenausschreibungen im Personalwesen sogar explizit eine Ausbildung zum »NLP-Practitioner« oder ein »NLP-Master« – beides Bezeichnungen aus den Ausbildungsprogrammen der NLP-Verbände – gefordert. Selbst an manchen Hochschulen finden sich inzwischen NLP-Inhalte in den Curricula. Bei so viel Popularität sollte es ein Leichtes sein, überzeugende empirische Belege für die Wirksamkeit oder gar den wirtschaftlichen Nutzen des NLP zu finden – oder vielleicht doch nicht? Dieser Frage soll im Folgenden nachgegangen werden.

Report Psychologie Januar 2019 bestellen

Zurück