Reform des Psychotherapeutengesetzes

BDP: Psychotherapie braucht eine fundierte psychologische Qualifikation

Nach langer Diskussion liegt seit dem 3. Januar 2019 ein Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vor. Zentrale Forderungen wie ein bundesweit einheitlicher Zugang zur Psychotherapieausbildung und eine bessere Bezahlung in der Weiterbildungsphase werden darin zwar angegangen, jedoch stellt der Entwurf die Einheit der Psychologie in Frage, indem er das Psychotherapiestudium von einem qualifizierten Psychologiestudium abkoppeln will.

Seit Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) vor 20 Jahren wird von zwei Berufen gesprochen, statt Psychotherapie als das zu benennen, was sie ist: ein zentrales Anwendungsgebiet der Psychologie. Mit dem Referentenentwurf wird die endgültige Spaltung provoziert: In Zukunft sollen Psychologische Psychotherapeutinnen und -therapeuten nicht Psychologie studieren und sich nicht mehr als Psychologinnen und Psychologen bezeichnen dürfen.

Die Einheit von Psychologie und Psychotherapie muss erhalten bleiben

Nach dem Willen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) soll an den Universitäten ab dem ersten Semester Psychotherapie studiert werden, mit Abschluss des Studiums soll die Approbation erlangt werden, ohne die Fachkunde erworben zu haben. Es wird kommentiert, dass das Studium an die Medizinerausbildung angelehnt werde. Diese beinhaltet jedoch ein grundlegendes Medizinstudium. Die Spezialisierung für verschiedene anwendungsbezogene Disziplinen erfolgt erst, wenn eine fundierte Basis gelegt wurde.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die erreichten Qualitätsstandards werden in Frage gestellt, wenn der neue Studiengang wie vom BMG gewünscht eingeführt werden sollte. Studierende werden gezwungen, schon im ersten Semester eine Entscheidung für ein Anwendungsgebiet zu fällen, was zu diesem Zeitpunkt für einen großen Teil von ihnen eine Überforderung darstellt. Sollte sich die Entscheidung als falsch herausstellen, droht der Verlust von Ausbildungsjahren, da das Psychotherapiestudium nur eine sehr eng umschriebene Qualifizierung ermöglicht. Übergänge werden zumindest erschwert.


Unerklärliche Abwendung von der Kerndisziplin Psychologie

Durch das aktuelle PsychThG sind prekäre Arbeitsverhältnisse während der Ausbildung entstanden, die kurzfristig verschwinden müssen. Auch der Zugang zur Ausbildung in Psychotherapie muss bundeseinheitlich geregelt werden. Doch auch wenn das Gesetz novelliert werden muss, gilt es, massiven Folgeschäden durch die Neuordnung der Psychotherapieausbildung vorzubeugen. Eine Trennung zwischen Psychologie- und Psychotherapiestudium ist weder erforderlich noch sinnvoll. Offen bleibt, welche anderen Inhalte die im Psychologiestudium vermittelte Basisqualifikation ersetzen sollen und welche anderen Fachbereiche zukünftig Psychotherapeutinnen und -therapeuten ausbilden sollen. Gleichzeitig wird der Qualitätsstandard der Approbation reduziert. Die mit dem Gesetz beabsichtigte Festlegung von drei Fünfteln der Studieninhalte wird in der beschriebenen Form keine gut qualifizierten Absolventinnen und Absolventen hervorbringen. Wenn im Rahmen der Gestaltungsfreiheit der Universitäten beispielsweise keine weitere Fundierung in der Anwendung wissenschaftlicher Methoden erfolgt, werden in Psychotherapietechniken geschulte Personen hervorgebracht, die unter Umständen nicht ausreichend in der Lage sein werden, die Folgen ihres Handelns angemessen einzuschätzen. Das höchst anspruchsvolle Berufsfeld Psychotherapie erfordert jedoch genau diese Kompetenz. Es hat Jahrzehnte gebraucht, um es Scharlatanen im psychotherapeutischen Arbeitsfeld schwerer zu machen, Menschen mit unreflektierten Interventionen zu schaden. Wenn auch nur das Risiko besteht, dass erreichte Qualitätsstandards aufgeweicht werden, sollte verhindert werden, dass sachfremde Gründe für die zukünftige Gestaltung der Psychotherapieausbildung obsiegen. Die frühe Approbation, um eine bessere Bezahlung während der Weiterbildung zu ermöglichen, ist eine solche sachfremde Erwägung. Alternative Modelle sind möglich. Eine wesentliche Differenzierung zwischen Medizin und psychologischer Psychotherapie ist der Verzicht auf die Verschreibung von Medikamenten in Letzterer. Bei der großen Mehrzahl der psychisch Erkrankten ist dies nicht erforderlich, möglicherweise sogar kontraindiziert. Es ist wenig zielführend, während des geplanten Psychotherapiestudiums wertvolle Studienanteile für die Vermittlung pharmakologischen Wissens zu nutzen und dafür auf andere Inhalte zu verzichten. Sollte es derart vertiefter Kenntnisse unbedingt bedürfen, kann dieses Wissen im Rahmen der Weiterbildung vermittelt werden. Die Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung ist ein gesellschaftlich intensiv diskutiertes Thema. Im Referentenentwurf wird zwar von dreistelligen Millionenbeträgen pro Jahr gesprochen, die durch die grundlegende Umgestaltung der Psychotherapieausbildung benötigt und von den Krankenkassen getragen werden sollen. Die Versorgungssicherheit wird aber dadurch nicht erhöht. In der Präambel wird behauptet, dass »der Zugang zum Beruf […] attraktiver gestaltet werden« soll. Bei genauer Lektüre stellt sich jedoch heraus, dass der Zugang erschwert wird, da eine rigide Steuerung der Zulassung vorgesehen ist (2.300 bis 2.500 Personen pro Jahr).

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