Die psychische Verarbeitung eines Schwangerschaftsspätabbruchs

Zusammenfassung
Schwangerschaftsabbrüche nach der zwölften Schwangerschaftswoche (Schwangerschaftsspätabbrüche) sind ein politisch, ethisch und moralisch intensiv und kontrovers diskutiertes Thema. Es gibt bislang nur wenige Studien zur psychischen Verarbeitung eines Schwangerschaftsspätabbruchs. N = 89 Frauen (Rücklaufquote 67 Prozent), die einen Schwangerschaftsspätabbruch vornehmen ließen, wurden 2013/2014 im Mittel 22 Monate nach dem Ereignis mittels eines standardisierten Fragebogens untersucht. Das Durchschnittsalter betrug 32 Jahre, die Schwangerschaft bestand im Mittel 19 Wochen. Es kamen das »Brief-Symptom-Inventory« (BSI-18), die »Impact of Event-Scale« (IES) und der » Life Orientation Test« (LOT-R) zum Einsatz. 21.3 Prozent (BSI-18) bzw. 28.1 Prozent (IES) der Probandinnen waren auch fast zwei Jahre nach dem Ereignis deutlich psychisch belastet. Das Belastungserleben war bei Optimistinnen geringer. Pessimismus und Kinderzahl waren mit einer höheren Stressbelastungsreaktion assoziiert. Die Ergebnisse belegen die psychisch stark belastende Wirkung eines Schwangerschaftsspätabbruchs für einige Betroffene auch nach relativ langer Zeit. Für diese Frauen besteht ein psychologischer Versorgungsbedarf.

Einleitung
Mehr als 3.000 Schwangerschaftsspätabbrüche (nach der zwölften Schwangerschaftswoche) werden jährlich in Deutschland durchgeführt. Für die betroffenen Frauen und ihre Partner stellt dies häufig ein stark belastendes Lebensereignis dar. Es liegen bislang nur wenige Studien zur psychischen Verarbeitung eines Schwangerschaftsspätabbruchs vor. In der vorliegenden Untersuchung konnte in einer retrospektiven Befragung gezeigt werden, dass auch einige Zeit nach dem Schwangerschaftsspätabbruch eine erhöhte psychische Belastung bei mehr als einem Fünftel der Betroffenen vorliegt. Das Belastungserleben wird durch das Persönlichkeitsmerkmal »Optimismus/Pessimismus« beeinflusst.

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