»Das Bedürfnis zu rauchen wird durch die Umwelt geweckt«

Prof. Dr. Reiner Hanewinkel setzt sich in seiner Arbeit und als BDP-Mitglied seit langer Zeit für ein Werbeverbot für Tabak und E-Zigaretten ein. Im Interview spricht er über seine Forschung zum Thema, seine eigene Einstellung zum Rauchen und die Frage, warum Jugendliche sich so leicht zum Rauchen verführen lassen.

Wenn man der Werbung glauben darf, ist es eine super Sache, auf E-Zigaretten umzusteigen oder mit dem Vapen zu beginnen. Wie groß, schätzen Sie, ist der Einfluss von Werbung auf den Konsum?
Wenn wir unseren gesunden Menschenverstand anschalten und überlegen, warum Konzerne viel Geld in Werbung investieren, ist klar: Das sind Unternehmen, die Gewinne machen und ihr Produkt möglichst oft verkaufen wollen. Nun ist das Argument der Industrie bei kritischen Fragen zur E-Zigarette immer: »Wir wollen ja keine neuen Konsumentinnen und Konsumenten werben, sondern nur die erreichen, die schon rauchen oder vapen. Diese wollen wir für unser Produkt gewinnen.
« Das ist unseren Untersuchungen zufolge falsch: Es werden eben doch neue Kundinnen und Kunden geworben, denn das Rauchen und Vapen beginnt in der Regel im Jugendalter, in einer Lebensphase, in der man unsicher ist, in der eigenen Persönlichkeit nicht gefestigt und empfänglich für Rollenvorbilder. Da entfalten attraktive Werbebilder eine entsprechende Wirkung.

Denken Sie, es wird bewusst Werbung für Teenager gemacht?
Ja, das denke ich. Es ist deutlich, dass die Werbeinhalte gerade für Jugendliche interessant sind: erfolgreiche, schöne Menschen in entspannten Kommunikationssituationen. Das war und ist auch bei der klassischen Zigarette so. Bei den neuen E-Produkten kommt hinzu, dass sie hip, aber vermeintlich gesundheitlich nicht so schädlich sind. Das spricht nach unseren Forschungsergebnissen
auch Jugendliche an, die ansonsten ein niedriges Risiko haben, mit dem Rauchen zu beginnen. Die
sagen sich: »Na ja, wenn das Zeug nicht so schlimm ist, kann ich es ja mal probieren.« Bei genauerem Hinsehen, etwa auf die Marke »Juul«, fällt zudem auf: Das ist alles so stylisch – nicht nur die Werbung, auch das Produkt selbst. Schon der USB-Stick, mit dem man die Batterie auflädt, kommt daher wie ein Apple-Device. Natürlich spricht das auch und besonders Jugendliche an.

Eine aktuelle Studie beschreibt, dass bei »Juul« die Nikotinkonzentration sogar höher ist als bei einer herkömmlichen Zigarette.

Im Allgemeinen geht man davon aus, dass Nikotin der Stoff ist, der glücklich macht und den die Menschen wollen. Wenn Sie bei einer normalen Zigarette den Nikotingehalt erhöhen, wird es allerdings kratziger im Hals. Je höher der Nikotingehalt, desto unangenehmer das Rauchen. Deshalb werden zum Teil Zusatzstoffe, wie z. B. Menthol, beigemischt, um den aversiven Rauchvorgang
zu übertünchen. Bei »Juul« geht es noch etwas weiter. Die extrem hohe Nikotinkonzentration ist möglich, weil der Stoff in Form eines Nikotinsalzes enthalten ist, das nicht dieses Kratzen und Brennen erzeugt. So kann man sehr große Mengen Nikotin zu sich nehmen – und schnell abhängig werden.

Lesen Sie den gesamten Artikel in unserer März-Ausgabe.

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