Wie Vertrauen zu Radikalisierung beitragen kann

Die Terroranschläge in New York, bekannt unter dem Namen »9/11«, haben sich nun zum 18. Mal gejährt. Obwohl es ein wesentlich älteres Phänomen ist, wurde die westliche Welt durch dieses Ereignis ganz besonders auf das Konzept des Terrorismus aufmerksam. Nicht nur in der Bevölkerung wuchs seitdem die Angst vor Terror – speziell dem islamistischen – an. Seither wurde auch eine große Menge an Forschung zu diesem Thema produziert, darunter Meilensteine der Terrorismusforschung.

Eine wichtige Frage, die sich im Zusammenhang mit Terrorismus stellt, ist, wie Menschen überhaupt zu Terroristinnen und Terroristen werden. Hintergrund ist, zumindest in der westlichen Welt, meist ein Radikalisierungsprozess, in dem nach und nach eine extremistische Weltsicht angenommen wird, die Gewalt legitimiert, um eigene Ziele zu erreichen. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, die Theorien und Beobachtungen, die es zur Frage der terroristischen Radikalisierung gibt, zusammenzutragen und in einem umfassenden Modell empirisch
zu überprüfen.

Ein erstes Modell, das in diesem Projekt aus einer umfänglichen Literaturrecherche entstand, wurde zunächst mit Expertinnen und Experten diskutiert und anschließend mit zwei Datensätzen islamistisch Radikalisierter anhand detaillierter Fallanalysen getestet. Während im ersten Datensatz Personen im Zentrum standen, die sich am Beginn des Radikalisierungsprozesses befanden
und noch nicht auffällig geworden waren, wurde das Modell im zweiten Datensatz an Menschen gemessen, deren Radikalisierungsprozess abgeschlossen war. Diese hatten bereits einen Terroranschlag begangen, waren nach Syrien ausgereist oder hatten berichtet, sich zwischenzeitlich
wieder vom radikalen Islam abgewendet zu haben.

Was begünstigt Radikalisierung?
Insgesamt zeigte sich, dass vor allem Männer in ihren frühen 20er-Jahren vom Islamismus angezogen werden. Der Großteil der Radikalisierten gehörte der zweiten Generation von Migranten an, die sich häufig entwurzelt fühlt: Weder empfinden sich die Betroffenen in der konservativen Kultur ihrer Eltern aufgehoben, noch bietet die neue Gesellschaft eine echte Heimat. Daneben
fanden sich auffällige biografische Faktoren, die aber generationsabhängig variierten. In der etwas älteren Generation häuften sich kritische Lebensereignisse wie der Tod einer wichtigen Bezugsperson. In der jüngeren Generation, die sich vielfach online radikalisierte, zeigte sich dagegen soziale Ausgrenzung als wiederkehrendes Muster: Kein einziger dieser Radikalisierten hatte nur ein geringeres Ausmaß an sozialer Exklusion erlebt; die Stichprobe teilte sich stattdessen in Personen, die entweder immer wieder oder konsistent ausgegrenzt wurden. Dass soziale Exklusion die Macht hat, Menschen für ein terroristisches Mindset zu öffnen, beobachteten wir auch in anderen, experimentellen Studienreihen. Ein Muster spezifischer Persönlichkeitseigenschaften zeigte sich bei den untersuchten Radikalisierten hingegen nicht.

Lesen Sie den gesamten Artikel in unserer April-Ausgabe.

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