Im Griff des Virus

Erste Zwischenbilanz der Corona-Pandemie und Gedanken über die Zeit danach

In diesen Wochen spielen Zahlen eine große Rolle. Es gibt Nachhilfeunterricht in Mathematik für eine ganze Bevölkerung. Hinter den Zahlen stehen Menschen – Kranke, Genesene, Tote, Gesunde und vermeintlich Gesunde. Täglich liefern das Robert-Koch-Institut und die Johns Hopkins Universität neue. Der Trend ist erfreulich, wenngleich Virologinnen und Virologen ebenso wie Politikerinnen und Politiker immer wieder betonen: Wir stehen noch am Anfang der Pandemie. Der TV-Korrespondent
Christof Leisinger erinnerte dieser Tage daran, dass »Microsoft«-Gründer Bill Gates bereits vor fünf
Jahren vor einer solchen Pandemie gewarnt hat. »Wenn es etwas gibt, was in Zukunft Millionen von Menschen tötet, dann ist das eher ein Virus als ein Krieg – und wir sind überhaupt nicht darauf vorbereitet«, so Bill Gates. Er war damit nicht allein. Im März 2016 schrieb Nikolaus von Bomhard, damals Vorstandsvorsitzender des weltgrößten Rückversicherers »Munich Re«, einen Aufsatz in
der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« über Risikoanalysen für komplexe moderne Gesellschaften, in dem er auch die Wahrscheinlichkeit von Pandemien ansprach. »Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein entsprechend gefährliches Virus und die ›richtigen‹ Umstände zusammentreffen.« Ob die Vorsorgemaßnahmen der Länder, die in der Lage gewesen wären, sie zu treffen, im Lichte dieser frühen Einsicht ausreichend waren, wird man nach der gegenwärtigen Krise kühl bilanzieren müssen.

Erfahrungen und Erkenntnisgewinne
International geschätzte Expertinnen und Experten sind gegenwärtig genötigt, fast täglich aktuelles Wissen zu präsentieren – anders als Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler es normalerweise tun. Sie müssen sich manchmal revidieren, lernen jeden Tag dazu. Das ist normale wissenschaftliche Arbeit. Nur sind wir es nicht gewohnt, an ihr täglich teilzuhaben.

Politisch Verantwortliche müssen ihre Entscheidungen in Unsicherheit treffen. Das ist für sie, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger ungewohnt. Psychologinnen und Psychologen wissen spätestens seit Gerd Gigerenzer: Bauchgefühl – vor allem, wenn es auf Fachwissen beruht – ist eine grundlegende Kompetenz und darf durchaus Bestandteil eines professionellen Risikomanagements
sein. Dennoch verunsichert das viele Menschen. Es müssen Entscheidungen zwischen Recht auf
Leben und Recht auf Freiheit bzw. das, was die meisten darunter verstehen, getroffen werden. Ständig gilt es, die Verhältnismäßigkeit zu prüfen.

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