Zwischen Klärung und Verwirrung?

Terminologie von Sprachentwicklungsstörungen

Zusammenfassung
Das CATALISE Consortium hat 2017 eine neue Terminologie von Sprachstörungen und sprachbasierten Kommunikationsstörungen im Kindesalter eingeführt mit der Begründung, dass (1) eine international einheitliche Terminologie fehle, (2) im Diagnoseprozess der Bezug zur »Normalitätsannahme« wie auch die Verwendung von »Diskrepanzkriterien« bei der Diagnose »SLI« problematisch sei und dass (3) betroffenen Kindern ggf. der Zugang zu notwendigen Interventionsmaßnahmen vorenthalten würde. Derzeit prüft in Deutschland ein Gremium von Expertinnen und Experten, mehrheitlich aus Sprachtherapeutinnen und -therapeuten bestehend,
die Möglichkeit der nationalen Übernahme der (selektiv international) neuen Terminologie. Phoniaterinnen und Phoniater, Pädaudiologinnen und Pädaudiologen gaben hierzu bereits Stellungnahmen ab. Sie sehen die terminologische Ausrichtung nicht ohne Vorbehalt, weil die
aktuell gültige Nomenklatur gemäß ICD-10-GM »Umschriebene Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache« (USES) lautet. Stellungnahmen anderer fachmedizinischer Verbände sind der Autorin zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Beitrags nicht bekannt.

Einleitung
In der Ausgabe 2/2020 des »report psychologie« erschien in der Rubrik »Intern« in Nachrichten aus der Sektion »Klinische Psychologie« ein knapp einseitiger Beitrag zu den sogenannten »Umschriebenen Entwicklungsstörungen des Sprechens und der Sprache« (USES). Er informierte über die geplante nationale Neuausrichtung in Definition und Terminologie von Sprachstörungen im
Kindesalter. Im Folgenden wird diese Nachricht weitergehend inhaltlich ausgeführt, denn diese Neuausrichtung berührt ganz entschieden berufspolitische Fragen bzw. die Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen. Im vorliegenden Beitrag wird zunächst wird auf die Definition
von USES eingegangen, wie sie bislang Grundlage unserer Arbeit in Forschung und Praxis ist. Des Weiteren kommen kritische Stimmen zu Wort, die die bisherigen Definitionen für unzulänglich halten und für Mängel in der Sprachforschung und in der Gesundheitsversorgung betroffener Kinder verantwortlich machen. Anschließend wird vom Vorhaben der Umsetzung eines neuen Vorschlags
zur Terminologie und Definition von Sprachentwicklungsstörungen im deutschen Sprachraum (in Anlehnung an die Ergebnisse der multinationalen Studie CATALISE [Criteria
and Terminology Applied to Language Impairments: Synthesizing the Evidence]) berichtet. Danach werden hierzu vorgetragene Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie zusammengefasst. Als Abschluss erfolgt eine erste Einschätzung aus berufspolitischer
psychologischer Perspektive.

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