Therapie in der Pandemie

Ein Erfahrungsbericht

Es ist Ende April. Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) hat eine Information verschickt: »Die Maskenpflicht erstreckt sich auf Arztpraxen und ähnliche Einrichtungen des Gesundheitswesens.« Im Chat meines Qualitätszirkels beginnt eine hektische Diskussion: Wie ist das auszulegen? Maskenpflicht – auch für Psychotherapie? Geht das überhaupt – Therapie ohne Mimik? Aber zurzeit
scheint ja alles zu gehen. Oder doch nicht? Eine typische Szene aus dem Arbeitsalltag mit Corona: Immer wieder verändert sich die Situation, gibt es neue Informationen oder Vorgaben und müssen Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden.

Wie geht therapeutisches Arbeiten in der Pandemie?
Die derzeitige Krise stellt uns vor die Anforderung, als selbst Betroffene unsere Patientinnen und Patienten gut zu versorgen – eine für uns außergewöhnliche Situation. Die Krise fördert bei uns allen regressive Prozesse, denn es gibt ein hohes Maß an Unsicherheit sowie Ansteckungsängste und wirtschaftliche Sorgen. Wer schon einmal in einer persönlichen Krise den therapeutischen Beruf ausgeübt hat, weiß, wie schwierig das sein kann. Wir alle kennen zudem den Fall, dass wir eine Behandlung ablehnen, weil die Problematik einem eigenen Thema zu nahe kommt. Corona kommt uns allen nahe. Wie wir damit umgehen können, darauf hat jede und jeder von uns in den vergangenen Monaten eigene Antworten gefunden. Einige meiner Erfahrungen und Überlegungen möchte ich hier vorstellen.

Die Basis: Die therapeutische Haltung erhalten oder wiederherstellen
Obwohl nicht unerwartet, kam der Lockdown im März gefühlt sehr plötzlich. Psychotherapiepraxen durften weiter öffnen, doch wollte ich das? Was war das richtige Vorgehen im Spannungsfeld zwischen den Interessen der Patientinnen und Patienten an Behandlung, aber auch an Gesundheit, meinen gesundheitlichen und wirtschaftlichen Interessen und dem öffentlichen Interesse, dass möglichst viele Menschen zu Hause bleiben? Ich merkte, dass diese ungelösten Fragen mich im Verlauf mehrerer Wochen zunehmend in meiner Arbeit behinderten und dass die therapeutische Haltung eingeschränkt war. In der Folge fasste ich den Entschluss, die Praxis für Präsenztermine zu schließen, um zunächst einmal die physische Sicherheit von Patientinnen und Patienten und mir zu wahren und meinen Kopf wieder frei zu bekommen.

Lesen Sie den gesamten Artikel in unserer Juni-Ausgabe.

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